
Vanyo Walter ist seit Juni 2023 Managing Director bei der RoboMarkets Deutschland GmbH.
Daniel Saurenz: Vanyo, der DAX hat zuletzt ein neues Allzeithoch erreicht, doch Euphorie sucht man vergeblich. Wie liest du dieses Signal?
Vanyo Walter / Robomarkets: Technisch gesehen ist es ein starkes Momentum-Signal. Aber fundamental betrachtet wird die Luft dünner. Die Unternehmensgewinne können mit dem Tempo der Kursanstiege nicht mithalten. Das KGV ist gestiegen, ohne dass die Gewinnerwartungen im gleichen Maß nachziehen – das erzeugt ein gewisses Spannungsverhältnis.
Daniel Saurenz: Woran liegt das? Die Konjunkturdaten zeigen sich doch zuletzt robuster – etwa beim ifo-Index.
Vanyo Walter: Ja, die Frühindikatoren hellen sich auf. Aber das schlägt sich noch nicht konkret in den Unternehmenszahlen nieder. Viele DAX-Konzerne mussten ihre Gewinnprognosen für 2025 zuletzt sogar senken. Die Dynamik der ersten Monate war positiv, aber ob sie sich fortsetzt, ist alles andere als sicher.
Daniel Saurenz: Ein Blick auf die Branchen: Welche Sektoren sind besonders belastet?
Vanyo Walter: Der zyklische Konsum drückt besonders – also vor allem die Autoindustrie. Allein dieser Bereich zieht die aggregierten Gewinnprognosen im DAX deutlich nach unten. Ohne diesen Effekt würden wir vermutlich über ein Plus bei den Erwartungen sprechen. Auch die Exportlastigkeit vieler Unternehmen macht sie anfällig für geopolitische Risiken, etwa im Zollumfeld.
Daniel Saurenz: Apropos Zölle – die Situation zwischen den USA und Europa bleibt unklar. Wie schätzt du das Risiko ein?
Vanyo Walter: Es ist ein Störfaktor mit Nebelwirkung. Das erschwert nicht nur die Politik der Notenbanken, sondern vor allem die Planbarkeit für Unternehmen. Mercedes und DHL haben bereits vor Belastungen gewarnt. Solche Unsicherheiten können sich auf die Investitionsbereitschaft auswirken – und damit auf das Gewinnwachstum. Gerade in einem Umfeld, das ohnehin wenig Visibilität bietet, ist das ein Problem.
Daniel Saurenz: Und was heißt das jetzt für Anleger? Abwarten oder aufstocken?
Vanyo Walter: Es ist ein Markt, in dem selektives Vorgehen entscheidend ist. Die Bewertungen sind ambitioniert, aber nicht überzogen – zumindest nicht flächendeckend. Wer sich an solide Unternehmen mit robuster Bilanz und strukturellem Rückenwind hält, kann investiert bleiben. Für alles andere gilt: Vorsicht, wenn Euphorie fehlt. Der Markt braucht bald harte Fakten, nicht nur weiche Stimmungsdaten.