
Vanyo Walter ist Managing Director bei der RoboMarkets Deutschland GmbH.
Daniel Saurenz: Herr Walter, Nvidia hat wieder sehr starke Zahlen vorgelegt: Der Umsatz stieg im Juli-Quartal um 56 % auf 46,7 Mrd. $, der Ausblick für das laufende Quartal liegt mit 54 Mrd. $ über den Erwartungen. Warum fiel die Aktie dennoch kurz nach den Zahlen?
Vanyo Walter: Das war vor allem Kasse machen nach kräftigen Kursgewinnen in den Monaten zuvor. Dazu kam Nervosität wegen China. Fundamentale Schwäche sehe ich nicht: Selbst ohne China-Beiträge liegt der Ausblick über dem, was die Börse erwartet hatte.
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Daniel Saurenz: Wie groß ist das China-Risiko wirklich? Es gab ja im Quartal gar keine H20-Verkäufe dorthin.
Vanyo Walter: Kurzfristig ist das ärgerlich, aber es steckt nicht im Ausblick – daher kein Loch in den Zahlen. Kommt politisch Bewegung rein, kann das schnell Zusatzgeschäft werden. Nvidia hatte einmal durchblicken lassen, dass ohne Hürden mehrere Milliarden Dollar möglich gewesen wären. Für Anleger heißt das: China ist derzeit eher eine kostenlose Chance nach oben als eine feste Stütze.
Daniel Saurenz: Was treibt das Geschäft dann so stark?
Vanyo Walter: Die neuen Komplettsysteme für Künstliche Intelligenz. Nvidia baut jetzt fertige Serverschränke, in denen 72 Grafikchips zusammengeschaltet sind – vorher waren es acht. Diese „Rechen-Schränke“ liefern enorme Leistung für das Trainieren und Anwenden der neuesten KI-Modelle. Die Produktion läuft, die Auslieferungen nehmen zu. Ein Indiz: Nvidias Netzwerksparte ist zum Vorquartal um 46 % gewachsen – diese Schränke brauchen sehr viel Netzwerktechnik. Pro Einheit reden wir über mehrere Millionen Dollar.
Daniel Saurenz: Reicht die Nachfrage dafür auf Sicht der nächsten Quartale?
Vanyo Walter: Ja. Die großen Tech-Konzerne erhöhen ihre Investitionen weiter, Start-ups und klassische Unternehmen wollen ebenfalls mehr Rechenleistung. Die Nachfrage übersteigt das Angebot – das spricht für mehrere weitere starke Quartale, unabhängig davon, wie schnell China zurückkommt.
Daniel Saurenz: Wie ordnen Sie die Bewertung ein – und was raten Sie Anlegern?
Vanyo Walter: Trotz des Anstiegs wirkt das Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 32 moderat, wenn die Gewinne – wie von vielen Analysten erwartet – um rund 50 % zulegen. Mein Ansatz: langfristig dabeibleiben und sich von Kursschwankungen nicht verrückt machen lassen, solange sich am Grundthema nichts ändert. Die großen Produktneuheiten tragen das Ergebnis – und China wäre obendrauf ein Bonus, nicht die Basis.