
An deutschen Börsen dominiert in der Regel der DAX als Basiswert und dann folgen starke und große Aktien. Nicht aber in diesem Jahr.
Wenn es ein stammtischtaugliches Börsenthema 2026 geben soll, dann ist es an erster Stelle zumindest bis Karneval nicht Künstliche Intelligenz oder das Rekordhoch im DAX gewesen. Für Silber als Anlageklasse hat sich bis letztes Jahr kaum jemand interessiert, zu langweilig war die Performance über im Grunde zwei Jahrzehnte. Bis die Rally begann. So strahlt Silber immer noch heller als gewohnt obwohl der jüngste Kursrutsch historische Ausmaße annahm. So kratzte Silber erstmals an der Marke von 120 USD je Feinunze um danach auf 70 Dollar rapide abzustürzen. Anleger kauften an Börsen wie Gettex und bei validen Brokern wie dem Smartbroker fast alles, was long oder short auf Silber zu haben war. Hinter den Umsätzen und dem Hype um Silber in den ersten sechs Wochen des Jahres müssen sich Nvidia, Alphabet, Tesla oder auch der DAX hinten anstellen. So dominierte das Edelmetall die Ranglisten und verzeichnete extreme Umsätze. Beim Lynx-Broker zog dies auch Aktien wie Barrick Gold im Windschatten mit.
Iran folgt auf dem Fuß
Im März wurde der Handelshype um Silber dann jäh von der Diskussion um Öl beendet. Der Iran-Krieg macht viele Anleger zu Spekulanten, doch eine ganz wichtige Komponente muss bei Öl im Hinterkopf sein. „Am Ölmarkt gibt es die Phänomene von Backwardation und Contango – sprich steigende oder fallende Preise über die Zeit, abzulesen durch die Future-Kurven“, so Thomas Soltau vom Smartbroker. Franz-Georg Wenner von IndexRadar merkt an, dass „die eingepreiste Backwardation bis Januar 2027 bei WTI-Öl so stark ist wie seit Jahrzehnten nicht mehr“, und dazu „der Spread zwischen den Sorten WTI und Brent auf extrem hohe 15 Dollar gestiegen ist“.
Silber doch noch im Geschäft
Den schlechten Nachrichten am Aktienmarkt folgte dann Mitte März erneut Silber – diesmal durch den Iran ausgelöst. Denn am 19. März beobachtete man nichts anderes als den nächsten kleinen Crash bei Edelmetallen. Kurse machen also Nachrichten – und die bereits bekannten Argumente für die Rally könnten bald schon wieder wiederholt werden: geopolitische Krisen, Zolldrohungen, der Boom der KI, industrielle Nachfrage und ein Angebotsdefizit gelten als Treiber. Neu hinzu kommt der zeitweise hohe Preisaufschlag in China. Anders als an westlichen Börsen wie New York oder London, wo überwiegend „Papiersilber“ an Terminmärkten gehandelt wird, dominiert in Shanghai der physische Handel. Dort liegt der Preis rund 15 Prozent über dem internationalen Spot. Das wird gern als Beleg für eine starke physische Nachfrage herangezogen – und für die Annahme, dass die Rally nicht von Spekulanten getrieben, sondern durch realen industriellen Bedarf gestützt wird.
Steuerthema nicht vergessen
Doch Vorsicht: Silber in China unterliegt einer 13–prozentigen Mehrwertsteuer (VAT), die vor allem Kleinanleger und kleine Händler trifft und die sogenannte „Shanghai Premium“ erklärt. Diese Steuer bildet die Basisprämie, doch der aktuelle Anstieg dürfte nicht allein steuerbedingt sein. Vielmehr handelt es sich um ein Zusammenspiel von Steuern, Angebot und Nachfrage sowie kurzfristigem Marktverhalten. Die physische Nachfrage verstärkt die Basisprämie, die Margins am Terminmarkt und spekulative Aktivitäten sorgen für zusätzliche Volatilität. Auch an den westlichen Börsen lohnt ein genauer Blick. Die CME Group hat seit Dezember auf die massive Volatilität reagiert und die Sicherheitsanforderungen (Margins) mehrfach erhöht.