Erneut ein Tag für die Trading-Geschichtsbücher — und zugleich ein Beleg dafür, wie anspruchsvoll das aktuelle Marktumfeld ist. Denn wer den Markt offensiv shortete, hatte heute Mittag keine Chance. Natürlich liegt der Markt weiterhin deutlich unter seinen Rekordmarken, aber auch auf der Short-Seite kann man nicht immer vom bestmöglichen Einstieg ausgehen. Zur Stunde konsolidiert der DAX einen Anstieg von 1.000 Punkten, der auch mit einem Dementi aus dem Iran einhergeht. Dort wurde das Trump-Statement als Versuch bezeichnet, sich an den Märkten Zeit zu erkaufen. Eine Kommunikation zwischen den USA und dem Iran gebe es nicht.
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Die Märkte hangeln sich weiter von Schlagzeile zu Schlagzeile. Am Dienstag trat zunächst Donald Trump vor die Presse, gegen 21 Uhr folgte dann eine Meldung zu einem möglichen Waffenstillstand. Brent fiel auf den niedrigsten Stand seit rund 2 Wochen. Auch der DAX „kauft“ die Entspannung vorerst.
In Teheran wies ein Militärsprecher Berichte über Gespräche höhnisch zurück und stellte die Frage, ob Washington „mit sich selbst verhandle“. Gleichzeitig heißt es aus Vermittlerkreisen, der Iran habe Pakistan, Ägypten und der Türkei signalisiert, die jüngsten US-Truppenverstärkungen hätten den Verdacht genährt, ein Gesprächsangebot könne eher eine Finte als ein ernst gemeinter Ausweg sein.
Beide Seiten stellen harte Forderungen. Die USA verlangen vom Iran den Abbau seiner drei wichtigsten Nuklearanlagen sowie den vollständigen Verzicht auf Anreicherung auf iranischem Boden. Zudem soll die Arbeit an ballistischen Raketen ausgesetzt, die Unterstützung verbündeter Milizen eingeschränkt und die Straße von Hormus wieder vollständig geöffnet werden.
Der Iran fordert Medienberichten zufolge Reparationen und Entschädigungen für kriegsbedingte Verluste, die formelle Kontrolle über die Straße von Hormus, Sicherheitsgarantien gegen künftige Militäraktionen sowie keine Beschränkungen für das iranische ballistische Raketenprogramm.
Unter diesen Bedingungen kann Trump den Krieg eigentlich kaum beenden. Daher könnte an den Märkten Richtung Wochenende die Sorge zunehmen, dass die USA weiter eskalieren. Der DAX steigt am Mittwoch zeitweise über 23.000 Punkte. Nachdem wir am Dienstag noch empfohlen hatten, Rücksetzer zu kaufen, kann man nun auch über selektive Absicherungen nachdenken. Die Lage bleibt sehr fragil, kann sich aber natürlich auch weiter entspannen. Vorerst rechnen wir jedoch nicht mit einem baldigen „finalen“ Ende des Konflikts.
Franz-Georg hat uns um 12.00 Uhr eine Analyse erstellt, die nun natürlich nicht mehr ganz aktuell ist.
S&P 500, Dow Jones und Nasdaq 100 notieren inzwischen unterhalb ihrer 200-Tage-Linien – ein technisches Signal, das zuletzt im Frühjahr 2025 im Zuge des Zollschocks auftrat. Auch global zeigt sich ein einheitliches Bild: Nahezu alle westlichen Indizes haben ihre Jahresgewinne abgegeben. Im Schnitt liegt das Minus bei über fünf Prozent (Daten von Freitagabend). Besonders der DAX fällt auf: Rund elf Prozent Verlust seit Monatsbeginn, der Index steuert auf den schwächsten Monat seit März 2020 zu.
Wichtiger als die reine Bewegung ist die technische Einordnung. Nachdem bereits in der Vorwoche viele Indizes unter ihrem kurzfristigen Durchschnitt (21-Tage), trifft dies nun auch auf die vielbeachtete 200-Tage-Linie zu. Nur noch rund ein Fünftel der Märkte behauptet diesen langfristigen Signalgeber. Wir haben somit einen zunehmenden Extremzustand auf der kurz- und mittel- bis langfristigen Zeitachse. Beide Faktoren deuten auf eine zeitnahe Gegenbewegung hin, vorausgesetzt, die geopolitische Lage spielt mit.
Ein Blick zurück schärft die Perspektive: Im April 2025 führten die Zollankündigungen zu einem abrupten Kurseinbruch. Der DAX verlor innerhalb weniger Tage rund 20 Prozent. Die Stimmung kippte schnell, aber ähnlich dynamisch erfolgte die Erholung. Fast alle 40 Blue Chips notierten unter ihrer 21-Tage-Linie, nur etwa ein Drittel über der 200-Tage-Marke. Die Marktbreite von damals ähnelt der heutigen Lage. Natürlich kann die Quote in Bezug auf die 200-Tage-Linie noch weiter fallen wie im Herbst 2023. Doch die schon jetzt vorliegende Übertreibung nach unten signalisiert klar: Die Wahrscheinlichkeit für eine Rückkehr in Richtung Normalzustand und somit Erholung steigt. Wer Nerven hat, sollte Schwäche gezielt zum Positionsaufbau nutzen.
