Tradingideen

Als Bonus für Mitarbeiter einen Ferrari

In Seoul stehen neue Kunden bei Ferrari-Händlern Schlange. Boni im Hunderttausender-Bereich stehen für den Wahnsinn im Chip-Sektor.

An der Börse lässt sich mit Hebelpapieren auf DAX, Nasdaq oder S&P 500 spekulieren. Entsprechend sind 2026 mit Hebel 5 bis 10 bei Nasdaq und S&P 500 auch ein Verdoppler drin. Ohne Hebel hat sich allerdings der Kospi-Index in Südkorea mit Samsung als Zugpferd verdoppelt. 106 Prozent. Seit Jahresbeginn. Für den Index eines ernstzunehmenden Industrielandes ist das nichts anderes als komplett verrückt. Der Chip-Power-Index des Emittenten Morgan Stanley mit der Kennnummer SL0FTE hat allein seit Ende März um 80 Prozent zugelegt. ASML, Infineon, AMD oder Intel sind nur einige der enthaltenen Titel.

Trotzdem findet die Party nicht überall statt. Wer derzeit auf sein Depot blickt, könnte sich verwundert die Augen reiben. Die NASDAQ markiert Rekorde, viele US-Indizes notieren nahe ihrer Höchststände – und trotzdem haben zahlreiche Anleger das Gefühl, mit ihrem Portfolio nicht mehr Schritt zu halten. Das ist kein Einzelfall. Der Grund liegt häufig nicht in schlechten Anlageentscheidungen, sondern in der Zusammensetzung der Märkte. Die Kursentwicklung wird derzeit von einer vergleichsweise kleinen Gruppe von Aktien dominiert. Wer diese Werte nicht oder nur teilweise besitzt, bleibt schnell hinter den großen Indizes zurück.

SanDisk und Infineon irritieren ihr Portfolio

Ein Beispiel liefert die Technologiebranche. „Die Aktie von SanDisk hat in den vergangenen zwölf Monaten eine außergewöhnliche Entwicklung hingelegt. Dahinter folgen Titel wie Western Digital, Seagate, Intel oder AMD mit teils ebenfalls beeindruckenden Kursgewinnen“, so die Experten vom Lynx-Broker. „Samsung in Südkorea hat 400 Prozent Kursplus seit 12 Monaten auf der Uhr stehen – bei Micron sind es 4.000 Prozent“, rechnet Thomas Soltau vom Smartbroker vor und verweist darauf, dass die Aktien zu den beliebtesten bei aktiven Tradern gehören. Anleger, die einige dieser Werte im Depot haben, profitieren erheblich. Wer dagegen auf andere Technologietitel gesetzt hat, erlebt eine deutlich andere Realität.

Auch schwächere MAG7 sind dabei

Denn längst nicht jede bekannte Aktie läuft gut. „Microsoft und Meta gehören zwar weiterhin zu den Schwergewichten des Marktes, konnten auf Jahressicht zuletzt aber nicht mehr mit den Spitzenreitern mithalten“, so Lars Reichel von der Börse München. Auch PayPal oder Adobe belasten viele Depots noch immer. Beide Werte arbeiten zwar an einer Stabilisierung, die Kursentwicklung der vergangenen Monate bleibt jedoch desaströs. Das erklärt, warum viele Anleger trotz grundsätzlich solider Portfolios hinter der Entwicklung der NASDAQ zurückbleiben. Der Index profitiert nicht nur von den größten Technologiekonzernen, sondern zunehmend auch von einer zweiten Reihe von Chip- und KI-Werten, die enorme Kursgewinne verzeichnen.

Ein ähnliches Bild zeigt sich im Dow Jones. Die Daten des Brokers Bitpanda zeigen, dass im Dow Jones Aktien wie Caterpillar, Nvidia, Goldman Sachs, Cisco oder Apple deutlich profitierten, während gleichzeitig schwächere Titel wie Nike oder Salesforce Performance kosteten. Die Mischung macht den Unterschied – und sorgt dafür, dass zwei Anleger mit scheinbar ähnlichen Depots am Ende sehr unterschiedliche Ergebnisse erzielen.

Auch in Deutschland zeigt sich dieser Effekt. Viele Anleger sprechen über den DAX, tatsächlich entscheidet aber die Gewichtung einzelner Unternehmen über die Entwicklung des Index. Infineon hat sich in den vergangenen zwölf Monaten zu einem der wichtigsten Kurstreiber entwickelt. Dahinter folgen unter anderem Siemens Energy, Commerzbank oder RWE. Gleichzeitig bleiben andere bekannte Namen hinter den Erwartungen zurück. SAP, Beiersdorf oder auch Rheinmetall haben zuletzt nicht die Rolle gespielt, die viele Anleger möglicherweise erwartet hätten. Wer die Gewinner nicht besitzt, spürt das unmittelbar im eigenen Depot. Deshalb lohnt sich ein nüchterner Blick auf die eigene Performance. Nicht jedes Portfolio muss die NASDAQ schlagen. Oft erklärt sich die Differenz schlicht dadurch, dass die größten Gewinner eines Börsenjahres nicht enthalten sind.

Die Erfahrung zeigt zudem: Anleger konzentrieren sich häufig auf die Aktien, die sie nicht besitzen. Dabei wird leicht übersehen, dass die vermeintlichen Gewinner von heute auch zu den Verlierern von morgen werden können. Wer langfristig erfolgreich investieren möchte, sollte deshalb weniger auf einzelne Überflieger und stärker auf die Gesamtstruktur seines Portfolios achten. Dann reicht es vielleicht irgendwann für den Ferrari, den sich die Mitarbeiter von Samsung aktuell mit ihrem Bonus leisten. Es arbeitet aber eben nicht jeder im Chip-Sektor.

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