
Seit Jahren war der Zinsmarkt nicht mehr so spannend wie im Sommer 2026. Das hat Folgen für den Wohnungskauf und das Sparen auf dem Tagesgeldkonto.
Was börseninteressierte Anleger am 18. August beobachten konnten, ist durchaus bemerkenswert: Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe ist auf Mehrjahreshochs gestiegen, auch bei langlaufenden US-Staatsanleihen klettern die Renditen auf Niveaus, die Anleger seit vielen Jahren nicht mehr gesehen haben. „Die Rendite der deutschen Bundesanleihe mit zehnjähriger Laufzeit stieg auf ein 15-Jahres-Hoch“, so die Experten vom Lynx-Broker. Sie legte bis auf 3,25 Prozent zu, den höchsten Stand seit Mai 2011.
Für potenzielle Hauskäufer ist die Entwicklung am Zinsmarkt wichtig und misslich zugleich. Zwar verblasst so langsam die Erinnerung an die Tiefstände der Immobilienfinanzierung im Jahr 2020, als Wohnungen mit einer Zinsbelastung von 0,5 Prozent bei einer Zehnjahresfinanzierung oder sogar darunter finanziert werden konnten. Allerdings nähert sich die Zinsbelastung einem Level, das an längst vergessene Zeiten erinnert. Für eine zehnjährige Immobilienfinanzierung müssen interessierte Käufer mittlerweile rund 3,8 Prozent pro Jahr hinlegen. Bei einer Zinsbindung auf fünf oder 20 Jahre sieht es nicht viel anders aus. Die Kurve ist relativ flach.
Die Gründe liegen in der Entwicklung am Zinsmarkt und im Geschehen rund um die Europäische Zentralbank. Der Iran-Krieg und die Unsicherheit rund um die Straße von Hormus treiben die Sorge vor dauerhaft höheren Energiepreisen. Genau das ist Gift für die Inflationsbekämpfung. Steigt der Ölpreis weiter, könnten die Notenbanken gezwungen sein, die Zinsen länger hoch zu halten oder sogar wieder an der Zinsschraube zu drehen. Die europäischen Anleiherenditen haben diese Sorge bereits eingepreist. Mit Blick auf 2027 können Optimisten immerhin hoffen, dass ein Ende des Iran-Konflikts und damit eine deutliche Entspannung bei den Energiepreisen den Druck auf die Inflation mindern könnte. Das würde den Notenbanken wieder mehr Spielraum auf dem Weg nach unten geben.
Sparer erleben eine neue Welt
Wer sich im Moment so sehr freuen kann wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr, sind deutsche Sparer, die Geld auf Tagesgeldkonten parken wollen. Der Wettbewerb tobt. Niemand hat mehr eine Veranlassung, sein Geld auf dem Girokonto bei Volksbanken oder Sparkassen nahezu unverzinst liegen zu lassen. Das war jedoch schon in den Vorjahren eine schlechte Idee wie an dieser Stelle mehrfach beschrieben. Selbst sehr defensive Anlagezertifikate erlauben je nach Produkt und Risiko Erträge von mehreren Prozent pro Jahr. Doch auch beim Tagesgeld ist nun einiges möglich.
Die größte Bank der Welt, JP Morgan, hat 2026 mit ihrem Angebot von vier Prozent Zins auf das Tagesgeld die Latte sehr weit oben angesetzt. Allerdings gilt dieser hohe Zins lediglich für die ersten vier Monate der Einlage. Danach verringert sich das Niveau deutlich. Ähnlich sieht es beim Angebot der Consorsbank aus, die für Neukunden 3,6 Prozent pro Jahr bietet und dies auf fünf Monate streckt, während der Zins danach ebenfalls deutlich abfällt.
Eine ähnliche Vorgehensweise zeigt ING und damit duellieren sich die Platzhirsche der vergangenen Jahre und Jahrzehnte mit eben Großbanken wie Chase oder auch BBVA aus Spanien.
Sehr viel spannender ist der Blick auf die vermeintlich hinteren Plätze der Tagesgeldvergleiche. Denn dort finden sich mitunter erst limitiert bei einer sehr hohen Anlagesumme die beiden Berliner Broker Smartbroker und Trade Republic. Sie bieten eine Verzinsung auf Level der Europäischen Zentralbank mit einem kleinen Abschlag an, was beim Smartbroker nichts anderes bedeutet, als dass Anleger auf ihrem Zinskonto, das sehr schnell wieder zu einem Anlagegeld werden kann mit einer einfachen Umbuchung, zwei Prozent Verzinsung erhalten und zwar weder in der Dauer limitiert noch nennenswert in der Höhe limitiert. Rechnet man also die auf einige Monate beschränkten Angebote sauber gegen das unlimitiert geltende Angebot des Smartbrokers oder auch des Konkurrenten Trade Republic, so liegen diese beiden Institute in Deutschland flankiert vom Konkurrenten Scalable auf den Plätzen ganz vorne. Bei einer Erhöhung der Zinsen der Europäischen Zentralbank würde beim Smartbroker die Verzinsung umgehend um einen weiteren Viertelprozentpunkt steigen und dann sogar 2,25 Prozent erreichen.
2.000 Euro für 100.000 Euro
Die simple Rechnung, statt 100.000 Euro bei Sparkasse oder Volksbank nahezu unverzinst liegen zu lassen, werfen 100.000 Euro bei dem besten Brokern innerhalb eines Jahres immerhin 2.000 Euro Rendite ab. Haben oder nicht haben, sagt dazu der Volksmund. Andere sprechen von einer Woche netten Urlaub in einem schönen Hotel. Wie lange die Zinsentwicklung dieses hohe Level halten kann, hängt wie besprochen an der Entwicklung der Inflation und vor allem bezogen auf Europa und Deutschland an der Entwicklung im Nahen Osten und der Entwicklung der Staatsverschuldung und des Wirtschaftswachstums.
Der Bereich der künstlichen Intelligenz ist für manche Experten mittelfristig ebenfalls als deflationär einzuschätzen, was die Zinsen drücken könnte. Dieses Thema ist für diejenigen, die aktuell Spar- und Anlagebedarf auf der Zinsseite haben, allerdings irrelevant. Denn das Schöne bei Tagesgeld ist eben, dass es taggenau verfügbar ist und man sich nicht in die eine oder andere Richtung wie zu früheren Zeiten per Festgeld festlegen muss. Auch dort gibt es Angebote wie beim Berliner Anbieter DKB, dessen Festgeldkonditionen allerdings nicht einmal mit den Tagesgeldkonditionen der Konkurrenz mithalten können.