Liebe Leserinnen und Leser,
zum Wochenende fassen wir einige zentrale Inhalte der vergangenen Ausgaben zusammen. Diese Mail richtet sich bewusst auch an Leserinnen und Leser, die unseren Börsenbrief bisher nicht regelmäßig verfolgen – als sachlicher Einblick in unsere Denkweise in unserem Börsendienst, nicht als Produktvorstellung.
Ausgangspunkt: Warum wir Marken und nicht Trends kaufen
Unser Markenwertportfolio „Optionsscheine-Marathon“ läuft seit Januar 2023. Der Ansatz ist seither unverändert:
Wir investieren nicht in Themen, sondern in Unternehmen mit starker Marke, stabiler Marktstellung und langfristiger Relevanz – allerdings nur dann, wenn das Chance-Risiko-Verhältnis passt.
Der Gedanke dahinter ist einfach:
Zwischen dem Wert eines Unternehmens und dem Preis der Aktie klafft oft eine Lücke. Unser Ziel ist es, diese Lücke zu nutzen – nicht sie zu ignorieren.
Gerade 2025 hat gezeigt, wie wichtig dieser Unterschied ist. Viele bekannte Titel waren zeitweise sehr teuer. Wir haben in diesen Phasen eher abgewartet – und konnten später unter anderem folgende Positionen erfolgreich schließen:
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Alphabet: Einstieg im Frühjahr/Sommer 2025, als die Aktie wenig Beachtung fand – Verkauf der besten Tranche mit rund +818 %
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Apple: +318 %
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LVMH: +122 %
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Amazon: +43 %
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Pepsi: +34 %
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Uber und Nike mit soliden zweistelligen Gewinnen
Charakteristisch für unsere Vorgehensweise ist, dass wir Gewinne nicht auf einen Schlag realisieren, sondern in Tranchen. Das senkt das Risiko, zu spät auszusteigen – und verhindert gleichzeitig hektische Komplettverkäufe.
Übergang in 2026: Umschichten statt neu erfinden
Zum Jahreswechsel haben wir zahlreiche Positionen bewusst neu strukturiert. Nicht, weil wir die Unternehmen anders einschätzen, sondern weil sich mit dem Zeitverlauf auch die Instrumente verändern müssen.
Konkret hieß das in den vergangenen Tagen:
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Gewinnmitnahmen bei Apple, Alphabet, Amazon, aber auch bei Uber und Nike
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Austausch bestehender Positionen in neue, länger laufende Scheine bei
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Netflix
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Microsoft
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Starbucks
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Coca-Cola
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Aufbau einer ersten Tranche bei Spotify, wo wir seit Dezember eine Bodenbildungsphase beobachten.
Gerade Spotify, Netflix und Starbucks gehören aktuell zu den Marken, die aus unterschiedlichen Gründen unter Druck geraten sind – operative Themen, Marktstimmung, Branchenrotation. Für uns sind das keine Ausschlusskriterien, sondern oft der Moment, genauer hinzuschauen.
Microsoft: KI nicht als Schlagwort, sondern als Strukturfrage
Die Diskussion um Microsoft wird derzeit stark von den hohen Investitionen in KI-Infrastruktur geprägt. Kurzfristig sorgt das für Unsicherheit bei einigen Marktteilnehmern.
Wichtiger erscheint uns jedoch die strategische Ebene:
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Microsoft hat die Führungsstruktur neu organisiert und den Bereich CoreAI geschaffen.
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CEO Satya Nadella steuert die KI-Aktivitäten enger und direkter.
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Ziel ist es, schneller eigene Modelle, Plattformen und Werkzeuge für Entwickler zu etablieren – jenseits der reinen Partnerschaft mit OpenAI.
Parallel wird KI zunehmend sichtbar in bestehende Produkte integriert, etwa durch die Neuausrichtung des Edge-Browsers rund um Copilot.
Für uns ist das kein kurzfristiger Kurstreiber, sondern eine Positionierung für die nächsten Jahre im Wettbewerb mit Amazon und Google.
Gleichzeitig bleibt der Blick realistisch:
2026 könnte für den gesamten KI-Sektor ein „Bewährungsjahr“ werden – Stichworte Rechenzentrumskapazitäten, Strombedarf, Investitionsdisziplin der Cloud-Anbieter. Auch solche Rahmenbedingungen fließen in unsere Bewertung ein.
Netflix: operative Stärke trifft strukturelle Unsicherheit
Netflix hat operativ zum Jahreswechsel Akzente gesetzt:
Die beiden NFL-Spiele am Weihnachtstag sorgten laut Reuters für neue Streaming-Rekorde in den USA, mit bis zu 27,5 Millionen Zuschauern.
Gleichzeitig belastete zuletzt die Unsicherheit rund um Warner Bros. Discovery und Paramount die Aktie. Berichte, wonach bestehende Partnerschaften mit Netflix strategisch höher bewertet werden als mögliche Übernahmen, haben die Lage zusätzlich verkompliziert.
Solche Konstellationen sind typisch für Phasen, in denen sich Nachrichtenlage und Fundamentaldaten entkoppeln. Für uns ist das weniger ein Anlass für schnelle Urteile, sondern ein Umfeld, in dem sich Bewertungen verschieben können.
Markenwert: ein zusätzlicher Blickwinkel
Neben Kursentwicklungen beobachten wir systematisch die Veränderung der Markenstärke. 2025 zeigten sich dabei deutliche Unterschiede:
Gewinner beim Markenwert waren unter anderem:
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Netflix: +43 %
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Uber: +39 %
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Spotify: +20 %
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Nintendo: +30 %
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Meta: +14 %
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Mastercard: +15 %
Demgegenüber standen teils kräftige Rückgänge:
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Gucci: –35 %
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Disney mit anhaltendem Gegenwind
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Tesla, trotz zeitweiser Kursrekorde, mit sinkendem Markenwert.
Für uns sind solche Divergenzen zwischen Börsenkurs und Markenstärke kein Randthema. Sie liefern Hinweise darauf, wo Erwartungen und Realität auseinanderlaufen – und wo sich mittelfristig Chancen oder Risiken aufbauen.
Marktumfeld: gute Stimmung, aber kein Selbstläufer
Der DAX ist mit Schwung ins neue Jahr gestartet und hat die Marke von 25.000 Punkten überschritten. Schwächere Inflationsdaten in der Eurozone nahmen zuletzt Druck von den Zinsen, was die Aktienmärkte unterstützte.
Trotzdem bleibt der Blick über den Tageslärm hinaus wichtig:
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Der MACD auf Monatsbasis zeigt, dass die Dynamik der Rally allmählich nachlässt.
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Historisch waren in vergleichbaren Phasen Korrekturen von rund 10 % völlig normal.
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Der durchschnittliche maximale Rücksetzer im Jahresverlauf liegt statistisch bei etwa 20 %.
Vor diesem Hintergrund steuern wir Risiken nicht nur über Einzeltitel, sondern auch über die Struktur des Portfolios:
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eine bewusst gehaltene Cash-Quote, um handlungsfähig zu bleiben
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sowie punktuell Absicherungen, etwa über DAX- oder Nasdaq-Puts, wenn das Marktumfeld es nahelegt.
Arbeitsweise
Unser Anspruch ist es nicht, jede Woche neue Schlagzeilen zu produzieren.
Stattdessen setzen wir auf:
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klare, nachvollziehbare Entscheidungen
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transparente Dokumentation von Käufen und Verkäufen
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Einordnung von Marktbewegungen über mehrere Zeithorizonte
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und die Bereitschaft, auch Phasen des Wartens als Teil der Strategie zu akzeptieren.