In den USA zählen US-Zwischenwahljahre historisch nicht zu den einfachsten Börsenjahren. Der typische Verlauf sieht wie folgt aus: Im ersten Quartal bewegen sich die Kurse meist seitwärts, April und Mai verlaufen häufig freundlicher, ehe der Markt bis in den Spätsommer hinein meist (deutlich) an Höhe verliert. Erst im Schlussquartal beginnt statistisch gesehen oft die stärkste Phase des Jahres, die meist länger anhält.
Natürlich hält sich kein Markt sklavisch an historische Drehbücher. Dennoch ist der Gleichlauf in diesem Jahr bislang ordentlich. Und betrachtet man die vergangenen drei Jahre – in denen der DAX jeweils rund 20 Prozent zulegen konnte – wäre ein Jahr mit etwas mehr Atempausen ohnehin kein ungewöhnlicher Befund, sondern eher ein Zeichen normaler Marktmechanik
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Vor diesem Hintergrund wirken die aktuellen Verluste überschaubar. Seit Jahresbeginn liegt der DAX knapp vier Prozent im Minus, seit Monatsanfang mehr als sechs Prozent. Das ist spürbar, hat aber bisher noch keinen strukturellen Schaden im Chartbild zur Folge. Interessant ist vielmehr der internationale Vergleich: Während der Euro Stoxx 50 noch rund zwei Prozent über seiner 200-Tage-Linie notiert, liegt der DAX bereits etwa zwei Prozent darunter. Wir sehen somit relative Schwäche, bei einer Erholung bietet der Index zugleich überdurchschnittlich viel Erholungspotenzial. Kurzfristig sprechen sogar mehrere Punkte für eine gewisse Gegenbewegung:
- Erstens ist der Index mit rund fünf Prozent Abstand zu seinem Monatsdurchschnitt so stark überverkauft wie zuletzt während des Zoll-Schocks im April.
- Zweitens wurden aus charttechnischer Sicht weder die Unterkante der Vorjahreshandelsspanne bei rund 23.000 Punkten noch der seit September 2022 bestehende Aufwärtstrend bislang unterschritten.
- Drittens haben sich in den vergangenen Tagen gleich zwei markante Abwärtslücken gebildet – zwischen 24.366 und 24.577 Punkten sowie zwischen 24.897 und 25.188 Punkten. Solche Kurslücken werden in großen Indizes statistisch häufig relativ zeitnah wieder geschlossen.
- Und viertens zeigte sich bereits am Dienstag eine deutliche Überdehnung bei der Marktbreite: Nur noch rund 20 Prozent der DAX-Mitglieder notierten über ihrem jeweiligen Monatsdurchschnitt – ein Niveau, das typischerweise eher mit kurzfristig überverkauften Marktphasen zusammenfällt.
Unter dem Strich ergeben sich daraus – neben der saisonalen Komponente – durchaus Argumente für eine technische Erholung. Ein erstes Ziel läge im Bereich von mindestens 24.500 Punkten. Im Idealfall würde sogar die obere Kurslücke geschlossen.
Allerdings bleibt der geopolitische Hintergrund der entscheidende Faktor. Für eine Entspannung müsste sich vor allem der Konflikt im Nahen Osten deutlich beruhigen. Sinkende Energiepreise und fallende Renditen wären in diesem Zusammenhang wohl das klarste Signal dafür, dass sich auch das makroökonomische Umfeld wieder bessert.
