
Jürgen Molnar ist Kapitalmarktstratege beim Broker Robomarkets.
Wenn es selbst durch die Bank weg besser als erwartet ausgefallene Inflationsdaten und damit zurückkehrende Zinssenkungshoffnungen nicht schaffen, die Stimmung an der Wall Street zu drehen, stehen die Zeichen ganz eindeutig auf Korrektur. Gleiches gilt für die Hoffnungen auf eine Waffenruhe in der Ukraine, die zwar gerade noch Europas Aktienindizes gegen den Abwärtssog aus New York stützen, mehr aber auch nicht. Zu groß ist die handels- und geopolitische Unsicherheit mit dem, was da im Weißen Haus in diesen Tagen entschieden wird.
10, 25, 50, 200 Prozent – wer bietet mehr?
Die sprunghafte Zollpolitik eines Donald Trump bleibt die Achillesferse für die Börse. Die sich weiter drehende Spirale mit immer abstruseren Preisaufschlägen wie den zuletzt von Trump angedrohten 200 Prozent auf Wein und Champagner aus der Europäischen Union strahlt alles andere als Verlässlichkeit und Vertrauen in die Politik der nächsten vier Jahre aus. Nichts ist in diesem Rahmen planbar, nicht für Staaten, nicht für Verbraucher, nicht für Unternehmen und damit auch nicht für Investoren.
Gold springt über 3.000 US-Dollar
Diese steuern nun wieder vermehrt den sicheren Hafen Gold an, der Preis für das Edelmetall hat die 3.000-Dollar-Marke geknackt. Dass gleichzeitig die Kryptowährungen weiter Federn lassen müssen, spricht für eine tatsächlich eingepreiste Unsicherheit. Die Amerikaner selbst holen derzeit viel Gold ins Land, was in Kombination mit sich fortsetzenden Zentralbankkäufen das Angebot an physischem Gold weiter verknappt. Da weit und breit keine Beruhigung der Situation erkennbar ist, könnte die runde Marke nur ein Zwischenstopp auf dem weiteren Weg des Goldpreises nach oben sein.
DAX zurück bei 23.000 Punkten
Der DAX 40 Index kann sich in dieser Gemengelage gut halten und hat in dieser Woche die Widerstandszone um 22.300 Punkten getestet und verteidigt. Während die Indizes an der Wall Street bereits ihre 200-Tage-Linien unterschritten haben, notiert der DAX nur wenige hundert Punkte unter seinem Allzeithoch. Dass der DAX der Wall Street soweit davonläuft wie aktuell, ist in der jüngeren Börsengeschichte nie lange gut gegangen. Allerdings gab es in dieser Zeit auch nur wenige, eher gar keine Ankündigungen solcher milliardenschweren Konjunkturpakete auf Pump wie heute. Hier aber ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.
Autobauer überbieten sich beim Gewinneinbruch
Ein bisschen etwas geht seit einigen Wochen wieder in den deutschen Autoaktien. Ende vergangenen Jahres noch abgeschrieben, setzte damals eine zaghafte, positive Gegenbewegung ein. In dieser Woche nun haben VW, Porsche und BMW ihre Zahlen für das abgelaufene Jahr vorgelegt und die waren wie erwartet sehr schwach. Was den Gewinneinbruch anging, belegten die Münchener mit einem Minus von 37 Prozent den unrühmlichen Spitzenplatz. In den Aktienkursen aller drei Autobauer sollten wichtige Marken nun halten, um die Aufwärtstrends nicht wieder zu gefährden und ein Abrutschen auf die Tiefs aus dem vergangenen November zu verhindern.
Was passiert in dieser Woche?
Für den DAX dürfte der morgige Dienstag spannend werden, wenn im Bundestag das Milliardenpaket erneut beraten und verabschiedet werden soll – hier gab es am Freitag erste Meldungen darüber, dass sich Union, SPD und Grüne auf einen Kompromiss verständigt hätten. Am Mittwoch tagt dann die US-Notenbank Fed und berät über die Leitzinsen. Antasten dürfte sie diese allerdings nicht, darüber besteht weitgehend Konsens. Umso spannender dürfte der Ausblick auf den Jahresverlauf werden, der Markt rechnet noch mit drei weiteren Zinssenkungen – für meine Begriffe zu viel Optimismus in dieser Richtung.