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Tradingideen

Iran macht Sprit teuer und Aktien günstig

Militärische Konflikte wie jener im Iran können an der Börse große Chancen bringen. Das ist nicht zynisch gemeint, sondern eine Beschreibung der letzten Jahrzehnte.

Mit einigen Tagen Vorlauf überlege ich mir in der Regel, wie das Thema meiner Sonntagskolumne an dieser Stelle lauten soll. In der vergangenen Woche erzählte ich Bekannten, die sich mit der Börse nur rudimentär auskennen, was wir nach dem Eintritt der Amerikaner und Israelis in den Iran-Konflikt in unserem Börsenbrief und Börsendienst für unsere Leser geliefert haben. Nachdem ich erklärt hatte, wie wir agieren, was wir beschreiben und worüber wir berichten, kam die Idee, ich solle doch eine solche Börsenwoche in dieser Kolumne aufschreiben. Here we go.

Der Wochenstart unter Spannung

Als die Amerikaner und die Israelis am vergangenen Wochenende das militärische Eingreifen im Iran begannen, hieß es für unser Team des Börsenbriefs, dass wir am Sonntag schon die neue Woche planten. Dies läuft so ab, dass man mit den Daten arbeitet, die man am Wochenende schon bekommen kann. Es gibt Indikationen auf Aktien. Es gibt Taxierungen der entsprechenden Indizes, wie beispielsweise beim Smartbroker. Und es gibt natürlich entsprechende Informationen auch und gerade in den USA.

Montagmorgen dann kommen als erstes die asiatischen Börsen rein, und man achtet gleichsam auf den Währungsmarkt. Wie reagiert der Euro zum US-Dollar? Was macht der japanische Yen, der für den Carry Trade natürlich ausgesprochen wichtig ist? Und wie reagieren die Börsen beispielsweise in Indien? Warum Indien, dürfte sich der geneigte deutsche Börsianer jetzt fragen? Nun ganz einfach, weil Indien und China wesentliche Importeure iranischen Öls sind und ein militärischer Konflikt mit dem Iran natürlich direkte Auswirkungen auf die Volkswirtschaft und die Energiepolitik der jeweiligen Länder haben kann und damit auf die Aktienkurse.

Daraufhin folgt der erste Schritt für eine gute Betreuung unserer Abonnenten, denn man will eine Art Roadmap für die kommende Woche an die Hand geben. Dazu gehört, dass man ziemlich sicher von einer erhöhten Volatilität am Finanzmarkt ausgehen muss. Dies bedeutet für Anleger, dass sie ihre Gewohnheiten, vor allem wenn sie spekulativ unterwegs sind, für den DAX, für die NASDAQ, für den S&P 500, aber vor allen Dingen bei Aktien aus dem Tourismus, aus dem Ölsektor, bei Fluggesellschaften und auch bei Energierohstoffen oder Edelmetallen anpassen müssen.

Schwankungen um das Doppelte oder Dreifache des Normalen bei Brent- und WTI-Öl, gleichsam bei Gold und Silber oder auch bei Währungen wie Yen, Dollar oder Euro sind in solchen Wochen völlig normal. Am Montag also starteten wir mit allen Daten präpariert in die Börsenwoche und sahen den DAX noch bei beinahe 25.000 Punkten. Unserer Einschätzung nach waren damit noch wenig Risiken in der Causa Iran im Markt eingepreist und noch ziemliches Ungemach in der Börsenwoche zu erwarten.

Volatilität als Chance

Nun sorgte allein die geografische Nähe und die energiepolitische Abhängigkeit der Europäer vom Ausland dafür, dass Europa weitaus stärker getroffen wurde als die USA. Die USA können angesichts der eigenen Ölförderung mit Engpässen am internationalen Energiemarkt weit besser umgehen, als die Europäer in der Lage sind. Dies konnten dann nicht nur unsere Leser, sondern jeder Deutsche ab spätestens Dienstag an der Zapfsäule ablesen, als die Notierungen für Diesel und Super kräftig in die Höhe schlugen.

Am Montag ging der DAX das erste Mal deutlich auf Tauchstation und zog selbstredend auch kleinere Indizes wie MDAX oder SDAX mit abwärts. Zu sehen war, dass der Ausverkauf relativ koordiniert erfolgte. Man spricht an der Börse dann davon, dass die Investoren in Europa erst einmal abverkaufen.

Klassisch ist an solchen Börsentagen, dass mit Eröffnung der Amerikaner noch einmal Druck auf den europäischen Markt kommt und man dies konkret selbst mit Handelsaktionen umsetzen kann. Dies passierte exakt nach Fahrplan am Montag und dann noch einmal am Dienstag, Punkt 15.30 Uhr, als die europäischen Börsen ihre jeweiligen Tagestiefs antesteten. Danach konnte man schön sehen, dass, wie von uns erwartet, die Volatilität merklich nach oben geschossen war, was man an Volatilitätsindizes wie dem VDAX in Deutschland oder dem VIX in den USA ablesen konnte.

Allerdings fiel diese Volatilität am Dienstag relativ schnell schon wieder ein gutes Stück in sich zusammen, einhergehend mit einer deutlichen Erholung auch der europäischen Aktien. Man konnte daran sehen, dass gerade bei militärischen Konflikten, deren Dauer als überschaubar eingeordnet wird, die ersten in den Keller geschickten Kurse oftmals schon sehr anständige Kaufgelegenheiten sein können.

Historische Auswertungen haben gezeigt, dass der erste Irak-Krieg ebenso wie der zweite Irak-Krieg nicht eine gute Gelegenheit zum Verkaufen, sondern zum Aufstocken von Aktienpositionen gewesen sind. Die kurzfristig entstehende Nervosität und Angst und damit das Auf-den-Markt-Werfen von Aktienpositionen können ruhige Hände sehr gut nutzen. Dies setzten wir in unserem Börsenbrief vor allem am Dienstag auch Step-by-Step um, wobei es bei uns niemals darum geht, die tiefsten Kurse anzupeilen.

Erreicht man per Zufall mal den tiefsten Kurs bei Lufthansa, NVIDIA, Lanxess oder Siemens, dann gehört dazu eine Menge Glück. Es geht in solchen Börsenwochen aber vor allem darum, Chancen zu nutzen und über den Schnitt hinweg gute Neueinstiege zu erwischen.

Rohstoffe, Derivate und die Wochenbilanz

Mit der gestiegenen Volatilität galt es dann am Dienstag und Mittwoch, unseren Lesern auch handwerklich zu erklären, warum vor allem Derivate gerade in diesen Situationen ein gutes Handwerkszeug sein können und gute Investmentvehikel. Dazu muss man wissen, dass viele Derivatestrukturen bei steigender Volatilität bessere Auszahlungsprofile bereithalten. Mit anderen Worten: Gerade ein militärischer Konflikt lässt die Volatilität kurzfristig in die Höhe steigen, was die Chance-Risiko-Verhältnisse bei Discount-Zertifikaten oder Cap-Bonuspapieren oder mitunter auch bei Discount-Optionsscheinen deutlich verbessert.

Unser Job zur Wochenmitte war es also, den Lesern genau das an die Hand zu geben, um direkt danach auf eine weitere Spezifikation der aktuellen Märkte hinzuweisen. Dieser widmeten wir uns vor allem am Donnerstag, denn die Ölmärkte hatten in den ersten drei Tagen volatil den Weg nach oben gesucht und gefunden. Donald Trump hatte bereits angekündigt, dass er nach Beendigung des militärischen Eingreifens deutlich tiefere Ölpreise erwarten würde.

Nun wäre die erste einfache Ableitung zu sagen, dass man simpel auf fallende Ölpreise spekulieren müsse. Wichtig nun bei uns die Erklärung, dass es am Ölmarkt Contango und Backwardation gibt. Die simple Spekulation, Öl short zu gehen, wie die Profis sagen, also auf fallende Kurse zu setzen, muss nicht unbedingt erfolgversprechend sein. Denn am Ölmarkt herrscht eine Backwardation vor.

Dies bedeutet nichts anderes, als dass Öl über Futures gehandelt wird und es für jeden der nächsten Monate einen entsprechenden Future gibt und man dort ablesen kann, zu sehen an der CME Group in den USA, dass der Markt jetzt schon sinkende Ölpreise über die nächsten zwölf Monate einpreist. Wer also auf fallende Ölpreise setzt, auf längere oder mittlere Sicht, muss nicht nur erwarten, dass die Ölpreise wirklich fallen, sondern vielmehr, dass sie stärker fallen, als vom Markt jetzt schon erwartet. Nur dann kann diese Spekulation funktionieren. Auch diese handwerklichen Feinheiten muss man in solch volatilen Börsenwochen kennen und vor allem dann kennen, wenn es um Rohstoffe geht.

Kleiner Nebeneinschub: Diese Contango- und Backwardation-Spezialitäten betreffen genauso Märkte wie Gas, Kakao, Weizen oder Mais.

Zum Ende der Woche galt es, Bilanz zu ziehen. Welche Aktien haben besonders gelitten? Welche haben womöglich in den kommenden Wochen das höchste Comeback-Potenzial, weil sie von dem militärischen Konflikt am ehesten in Mitleidenschaft gezogen wurden? Und andersherum gilt es zu gucken, welche Aktien sind womöglich auf ohnehin schon rasant gestiegene Kurse noch einmal belohnt worden und haben vielleicht einen Schluck zu viel bekommen.

Zu nennen wären da zum Beispiel Titel wie TotalEnergies oder BP am Ölmarkt. Innerhalb der Handelstage gehört es selbstredend zu unserem Job, Leitplanken vorzugeben, was man an Schwankungen bei DAX oder NASDAQ erwartet. Da hilft selbstredend die Erfahrung von 30 Jahren aktivem Handel an der Börse, denn alle Theorie ist dort schön und gut, aber Abschwünge, Crashphasen und volatile Wochen muss und sollte man selber und mit eigenem Geld erlebt haben, um diese Erfahrung auch sinnvoll weiterzugeben.

Denn in einer normalen Börsenwoche sind 200, 300 Punkte Schwankungen innerhalb eines Handelstages beim DAX ziemlich normal oder schon relativ viel. In einer volatilen Börsenwoche, wie der vergangenen, kann der DAX innerhalb eines Handelstages 500, 600 oder auch mal 800 Punkte innerhalb des Handelstags schwanken. Dies ist durchaus möglich, und darauf muss man sich nicht nur einstellen, sondern das Ganze handeln können. Wer Lust hat dies alles einmal auszuprobieren – unter info@feingoldresearch.de können Sie sich melden und uns gern probelesen.

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