
Vanyo Walter ist Managing Director bei der RoboMarkets Deutschland GmbH.
FR: Herr Walter, die Magnificent Seven haben im vergangenen Jahr den S&P 500 dominiert, sind aber 2025 bisher stark gefallen. Ist das nur eine Korrektur oder der Beginn eines nachhaltigen Abwärtstrends?
Vanyo Walter: Die Kursrückgänge der Mag Seven sind bemerkenswert, aber keineswegs ein Grund, sie abzuschreiben. Der wesentliche Treiber ihrer Performance war nicht nur Markthype, sondern starkes Gewinnwachstum. Unternehmen wie Nvidia, Amazon und Alphabet haben ihre Gewinne in den letzten Jahren vervielfacht. Die aktuelle Korrektur ist teils auf Gewinnmitnahmen und Verkäufe von institutionellen Anlegern zurückzuführen. Das bedeutet aber nicht, dass diese Aktien auf Dauer an Attraktivität verlieren.
FR: Sie sprechen von starkem Gewinnwachstum. Sind die Bewertungen der Mag Seven trotz der Korrektur noch gerechtfertigt?
Vanyo Walter: Insgesamt haben die Magnificent Seven aktuell ihre niedrigste Bewertungsprämie gegenüber dem restlichen S&P 500 seit 2017. Die meisten Titel werden zwischen dem 18- bis 30-fachen der erwarteten 2025er-Gewinne gehandelt, was angesichts ihres Wachstums nicht übertrieben erscheint. Tesla ist hier die Ausnahme mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 85, was eine spezielle Risikobewertung erfordert. Doch insbesondere Alphabet, Amazon, Meta und Nvidia bleiben fundamental attraktiv.
FR: Welche Risiken sehen Sie für die Mag Seven im weiteren Jahresverlauf?
Vanyo Walter: Es gibt mehrere potenzielle Gefahren. Ein schwächeres Wirtschaftswachstum könnte die Nachfrage dämpfen, und eine Verschärfung des Handelskriegs würde viele dieser Unternehmen direkt treffen. Außerdem stellt sich die Frage, ob der hohe Kapitalaufwand für Künstliche Intelligenz langfristig genügend Rendite bringt. Zudem sind große Unternehmen naturgemäß limitiert in ihrem Wachstum – irgendwann wird es schwerer, den gleichen Innovationsvorsprung zu halten.
FR: Amazon gilt derzeit als besonders attraktiv. Teilen Sie diese Einschätzung?
Vanyo Walter: Amazon hat sich von seinem Rekordhoch im Februar um fast 20 Prozent entfernt und handelt aktuell auf seinem niedrigsten Kurs-Gewinn-Niveau überhaupt. Das Unternehmen hat in den letzten Jahren enorm von Cloud-Computing und E-Commerce profitiert und bleibt trotz des Rücksetzers fundamental stark. Wer langfristig denkt, könnte hier eine Chance sehen.
FR: Sollte man jetzt gezielt in einzelne Titel der Mag Seven investieren oder lieber breit gestreut? Was kaufen Anleger statt der „Big Techs“ ?
Vanyo Walter: Ein Profiteur ist Europa. Das war auch ein Thema im Talk bei NTV, bei dem ich in der vergangenen Woche zu Gast war. Der DAX hängt die amerikanischen Indizes ab. Besonders das jüngste Infrastrukturpaket von Friedrich Merz begeistert die Börse. Aber wie schon beschrieben bleiben die Mag7 attraktiv. Wer nicht aktiv selektieren möchte, kann mit dem Roundhill Magnificent Seven ETF (MAGS) auf die gesamte Gruppe setzen. Wer jedoch auf die stärksten Titel fokussieren will, könnte sich besonders Alphabet, Amazon, Meta und Nvidia anschauen. Apple und Microsoft sind solide, aber nicht so günstig bewertet, und Tesla bleibt ein Sonderfall mit hohem Risiko. Am Ende kommt es auf die individuelle Risikobereitschaft an.