
Vanyo Walter ist Managing Director bei der RoboMarkets Deutschland GmbH.
Daniel Saurenz: Vanyo, das neue US-Gesetzespaket unter Präsident Trump wirkt auf den ersten Blick wie ein Konjunkturimpuls – aber Kritiker sprechen von einer fiskalischen Zeitbombe. Wie beurteilst du die Reaktion der Märkte?
Vanyo Walter / Robomarkets: Die anfängliche Euphorie ist nachvollziehbar – Steuererleichterungen wirken sofort und schaffen kurzfristig Kaufkraft. Aber die Märkte scheinen derzeit eher Hoffnung als Vernunft zu handeln. Das Paket hebelt jede Form von Haushaltsdisziplin aus. Wenn ein Staat bei 123 % Schuldenquote vom BIP weitere Billionen auflädt, wird das Vertrauen der Investoren irgendwann brüchig.
Daniel Saurenz: Die Zinsen für US-Staatsanleihen steigen, der Dollar hat nachgegeben. Wird das Thema Schulden zur Belastung für die Märkte?Vanyo Walter: Absolut. Die höhere Rendite ist ein Warnsignal. Noch finanzieren die Investoren die Schulden, aber der Spielraum wird enger. Sollte das Vertrauen wirklich kippen, droht ein Teufelskreis: steigende Zinsen, fallender Dollar, wachsender Schuldendienst. Und mit Abschnitt 899 des Gesetzes kommen auch steuerliche Risiken für ausländische Anleger ins Spiel – das könnte Kapital eher abschrecken als anziehen.
Daniel Saurenz: Welche Rolle spielt die US-Notenbank in diesem Umfeld – gerade mit Blick auf die realen Zinsen und die geldpolitische Zwickmühle.
Vanyo Walter: Die Fed steht unter Druck. Die Realzinsen sind bereits hoch, und trotzdem drängt Trump auf Zinssenkungen. Doch mit so einer erratischen Handelspolitik und wachsender fiskalischer Unsicherheit ist es aus Sicht der Fed nachvollziehbar, erst mal vorsichtig zu bleiben. Die Geldpolitik kann fiskalische Risiken nicht einfach kompensieren – das sollte auch den Märkten bewusst sein.
Daniel Saurenz: Was bedeutet das alles für Anleger? Zeit für Umschichtung?
Vanyo Walter: Ich würde es nicht dramatisieren, aber klar ist: Eine gewisse Vorsicht ist angebracht. Diversifikation wird wichtiger denn je. Europa wirkt fiskalisch stabiler, einige Emerging Markets profitieren vom schwächeren Dollar. US-Aktien bleiben ein wichtiger Baustein, aber selektiv. Wer blind auf Wachstumsfantasie setzt, ohne die Finanzierung im Blick zu behalten, könnte in den nächsten Jahren unangenehm überrascht werden.
Daniel Saurenz: Danke dir, Vanyo – wie immer ein klarer und analytischer Blick!