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Tradingideen

Gold, Öl, Lufthansa – wie startet die Woche nach dem Iran-Schock?

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Die Reaktion der Amerikaner auf die iranische Politik der letzten Jahre führt auch an den Kapitalmärkten zu deutlichen Verwerfungen. In der Wochenendindikation ist es beim DAX jedoch bisher kaum zu sehen. Am Samstag nach Beginn der Angriffe wurde der Markt bei einzelnen Brokern bereits wieder bei rund 25.100 Punkten taxiert. Man könnte sagen: wenig bis keine Reaktion auf die kriegerischen Auseinandersetzungen im Iran.

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So einfach muss es in der kommenden Woche aber nicht bleiben. Denn je länger sich die Bombardements und vor allem die iranischen Aktionen hinziehen, desto komplizierter wird es. Das liegt weniger daran, dass der Iran militärisch besonders schlagkräftig wäre. Vielmehr sorgen einerseits das hervorragende Abwehrsystem Israels und zum anderen die erneut extrem gute Vorbereitung des Mossad dafür, dass größere militärische Erfolge Irans bislang ausbleiben.

Mittlerweile wird sogar spekuliert, dass Standorte führender iranischer Politiker und Extremisten deshalb so exakt bestimmt werden konnten, weil im Iran möglicherweise mit Zahnärzten zusammengearbeitet wurde, die Chips in Zahnersatzkronen implantiert haben könnten. Das wäre eine weitere Steigerung der geheimdienstlichen Aktionen – ähnlich wie zuvor bei den Pagern im Libanon und dem Schlag gegen die Hisbollah.

Ölpreis als entscheidender Risikofaktor

Der Konflikt hat dennoch das Potenzial, die Ölmärkte kräftig durcheinanderzuwirbeln – deutlicher als bisher geschehen. Investmentbanken halten Ausschläge beim Ölpreis bis hin zu 120 oder sogar 130 US-Dollar für möglich.

Ein solcher Ölpreisanstieg hätte erhebliche Implikationen für die Kapitalmärkte. Selbst wenn dieses Niveau nur kurzfristig erreicht würde, kämen sofort Inflationssorgen auf – und zwar in nahezu jedem Land der Welt. Energiepreise sind ein wesentlicher Faktor bei der Frage: Inflation – ja oder nein?

Ein auch nur vorübergehend verdoppelter Rohölpreis würde die Inflationsdaten in den USA, in Europa und in vielen anderen Regionen deutlich nach oben treiben. Das wiederum würde umgehend neue Zinssorgen auslösen – und genau diese wollen Investoren derzeit nicht sehen. Denn diese Zinssorgen träfen auf Aktienmärkte, die auf Indexbasis noch immer sehr hoch notieren.

Der DAX notiert nur knapp unter seinem Rekordhoch. Die NASDAQ liegt lediglich rund fünf Prozent darunter. Auch beim Dow Jones und beim S&P 500 ist der Abstand gering. Ähnliches gilt für andere Märkte – etwa in Japan, Korea oder in Europa beispielsweise für den italienischen FTSE MIB.

Straße von Hormus und mögliche Branchenfolgen

Im Hinterkopf sollte man ein solches Negativszenario für Aktien also behalten. Die entscheidende Frage lautet: Wie lange dauert der Konflikt im Iran – und welche Folgen ergeben sich für den Rohölmarkt?

Die eigentliche Problematik liegt weniger in den militärischen Fähigkeiten Irans, sondern vielmehr in der Transportfrage. Berichten zufolge weigern sich Versicherer im Vereinigten Königreich zunehmend, Tanker durch die Straße von Hormus zu normalen Prämien zu versichern. Die Versicherungsprämien sollen so stark gestiegen sein, dass kaum ein Carrier bereit ist, diesen Transport zu übernehmen.

Angesichts der enormen Mengen an Öl, die dort täglich transportiert werden, hätte das direkte Auswirkungen auf mögliche Engpässe – und damit auf alle Industrien, die stark vom Rohölpreis abhängen.

Als erste Aktie, die am Montagmorgen unter Druck geraten könnte, kommt einem die Lufthansa in den Sinn. Kriegerische Konflikte sind für Airlines selten positiv, auch wenn die direkte Betroffenheit der Lufthansa aktuell noch begrenzt ist. Der Luftraum über Teilen der Region ist geschlossen. Verbindungen zwischen Europa und den Emiraten werden überwiegend von Gesellschaften wie Emirates, Etihad, Kuwait Airways, Oman Air oder Qatar Airways durchgeführt. Stillstände in diesem Bereich sind logistisch äußerst problematisch und zeigen sich bereits in chaotischen Zuständen an wichtigen Drehkreuzen wie Dubai.

Für die Kapitalmärkte bedeutet das: Ein DAX oberhalb der Marke von 25.000 Punkten sollte am Montag eher zurückhaltend interpretiert werden. Ein solches Niveau wäre aus unserer Sicht weniger ein Signal für Neueinstiege als vielmehr eine Gelegenheit, bestehende Absicherungen auf kurze Sicht nachzuziehen.

Mittel- und langfristig sind kriegerische Auseinandersetzungen an den Märkten häufig eher Ein- als Ausstiegschancen. Voraussetzung dafür ist jedoch ein spürbarer Rückschlag oder die Ausbildung eines tragfähigen Bodens.

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