Die dominierenden Themen dieser Woche sind die Berichtssaison, die den Aufwärtstrend trotz geopolitischer Spannungen zuletzt getragen hat, der US-Arbeitsmarktbericht und zahlreiche Frühindikatoren.

Sinkende Ölpreise und robuste Zahlen vor allem aus dem Technologiesektor haben die Zweifel an der Tragfähigkeit der massiven KI-Investitionen vorerst gedämpft, zugleich wachsen aber die Fragen nach der Nachhaltigkeit der aktuell hohen Gewinne in einem zyklischen Halbleitermarkt. Der Markt honoriert klar jene Unternehmen, die KI-Ausgaben bereits in messbares Umsatz- und Gewinnwachstum übersetzen, während reine Investitionsankündigungen ohne erkennbaren Ertrag skeptischer gesehen werden. Parallel dazu sorgt der Iran-Krieg weiter für ein latentes Risiko, das jederzeit in höhere Volatilität umschlagen kann und den Spielraum in Richtung neuer Rekordstände begrenzt. Konjunkturseitig geht es vor allem darum, ob die zuletzt aufgehellte Stimmung in Industrie und Dienstleistungssektor von harten Daten bestätigt wird. In den USA entscheidet der Arbeitsmarktbericht darüber, ob die Erwartung moderater, aber stabiler Wachstumsperspektiven Bestand hat.

Aus europäischer Sicht liefern vor allem die deutschen Juni-Daten Hinweise, ob sich die zarte Erholung der heimischen Wirtschaft verfestigt. Den Auftakt macht am Montag der Einzelhandelsumsatz, der zeigen soll, ob der private Konsum die konjunkturelle Belebung mitträgt. Am Donnerstag folgen mit Auftragseingang in der Industrie und den Dienstleistungsumsätzen gleich zwei Gradmesser, ob die bessere Stimmung in den Einkaufsmanagerumfragen inzwischen in reale Nachfrage und Erlöse übergeht, flankiert von den Einzelhandelsumsätzen der Währungsunion als Konsumbarometer. Zum Wochenausklang verdichten am Freitag deutsche Außenhandels- und Produktionszahlen für Juni das Bild zur Industrie: Exportentwicklung und Fertigungstätigkeit geben Aufschluss, ob die zuletzt solide Wachstumsrate im zweiten Quartal ein Ausreißer bleibt oder sich fortschreiben lässt.

Europas Aktienvorschau

Bei den Unternehmen aus Deutschland und Europa steht eine der dichtesten Wochen der laufenden Saison an, in der besonders viele DAX-Konzerne ihre Bücher öffnen. Bereits am Dienstag liefern Lufthansa, Zalando, FMC und Bayer Einblicke, wie sich Reise-, Konsum- und Gesundheitssektor im zweiten Quartal geschlagen haben, ergänzt um Zahlen von Continental, Evonik und mehreren Immobilien- und Chemiewerten. Am Mittwoch rückt mit Fresenius, DHL Group, Siemens Energy, Vonovia, Infineon und Beiersdorf ein breiter Querschnitt vom Gesundheits- über Logistik- und Energie- bis hin zum Halbleiter- und Konsumgüterbereich in den Vordergrund und erlaubt Rückschlüsse auf die Breite der laufenden Gewinnentwicklung. Der Donnerstag gehört vor allem Finanz- und Telekomwerten: Commerzbank und Deutsche Telekom berichten gemeinsam mit Merck KGaA und Siemens, was vor allem Aussagen zur Kreditqualität, Investitionstätigkeit und industriellen Nachfrage interessant macht. Zum Abschluss am Freitag setzen Allianz, Daimler Truck und Münchener Rück Akzente im Versicherungs- und Industriebereich; flankiert von Lanxess und Porsche SE wird sich zeigen, ob der aktuell dominierende Gewinnoptimismus in der Breite der Indexschwergewichte Bestand hat.

In den USA spannt sich der Bogen der Woche klar um die Frage nach der Robustheit der Konjunktur und des Arbeitsmarktes. Den Ton geben am Montag der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe und die Bauinvestitionen an, die anzeigen, ob die Industrie nach einer längeren Schwächephase Tritt fasst und wie sich der Zinsanstieg im Bausektor niederschlägt. Am Dienstag ergänzen Handelsbilanz, Auftragseingang der Industrie und die JOLTS-Zahlen zu offenen Stellen das Bild: Sie geben Aufschluss über die Außenhandelsdynamik, Investitionsneigung der Unternehmen und die nach wie vor hohe Arbeitskräftenachfrage. Zur Wochenmitte folgen ADP-Beschäftigungsänderung und der ISM-Index für den Dienstleistungssektor, die traditionell als Vorboten für den offiziellen Arbeitsmarktbericht gelten. Am Donnerstag rücken mit der ersten Schätzung zum BIP für das zweite Quartal, Produktivitätsdaten, den wöchentlichen Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe und einem weiteren ISM-Dienstleistungswert Wachstumstempo und Kostenseite der Unternehmen in den Mittelpunkt. Den Höhepunkt markiert am Freitag der Arbeitsmarktbericht für Juli, flankiert von den Konsumentenkrediten – die Reaktion darauf dürfte entscheidend für die weitere Zinserwartung und damit für die Bewertung zinssensitiver Sektoren sein.

US-Quartalssaison ist in dieser Woche vollgepackt

Die US-Berichtssaison bleibt in der kommenden Woche intensiv und liefert quer über Sektoren verteilt wichtige Signale zur Ertragslage. Am Montag eröffnen unter anderem Marriott International sowie die Plattformen Snap und Palantir mit ihren Quartalszahlen, womit sowohl Reisetätigkeit als auch Werbe- und Datenanalysegeschäft beleuchtet werden. Am Dienstag folgt eine breite Welle aus klassischen Industrie- und Konsumwerten wie Caterpillar, McDonald’s und DuPont de Nemours sowie Pharmariesen wie Pfizer und Merck & Co; dazu kommen mit Spotify, Booking Holdings, Pinterest, AMD und Amgen mehrere Schwergewichte aus Streaming, Online-Reisen, Social Media, Halbleitern und Biotech. Zur Wochenmitte rücken mit Eli Lilly, Walt Disney, Kraft Heinz, Uber sowie den Onlineplattformen Expedia und Ebay weitere prominente Vertreter aus Pharma, Entertainment, Nahrungsmitteln und Mobilität in den Vordergrund. Am Donnerstag schließlich geben ConocoPhillips, Fox, Lyft, Airbnb, American International Group und ResMed Einblick in Energie-, Medien-, Versicherungs- und Gesundheitssektor. Die Vielzahl an Berichten aus zyklischen Branchen, Konsum- und Tech-Werten liefert damit eng getaktet Anhaltspunkte, ob die hohe Ergebnisdynamik in den USA trotz gestiegener Zinsen und geopolitischer Spannungen anhalten kann.

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