Die Diskussion um Irak, Krieg und Zölle ebbt nicht ab, doch abseits der Kritik brummt es in den USA unter Donald Trump. Die Wahrnehmung US-amerikanischer Politik aus deutscher Perspektive ist seit vielen Jahren eine spezielle. Denn viele schauen auf das, was Donald Trump von sich gibt und die Irrungen und Wirrungen, die seine Politik auszeichnen.

Doch abseits der Schlagzeilen läuft US-amerikanische Wirtschaft um Längen besser als die deutsche. Fasst man die vergangenen Jahre in einem Fußballergebnis zusammen, so würde man in einem wirtschaftlichen Spiel USA gegen Deutschland ein 5:0 aufschreiben. In Deutschland wunderbar abzulesen am deutschen Aktienindex. Lediglich jene Firmen laufen gut, die ihren Exportanteil und im besten Falle ihre Produktion im wesentlichen Teil im Ausland haben. Wer von der Energiepolitik oder Bürokratie im Inland abhängig ist, hat wenig zu lachen und auch dies findet seinen Ausdruck am Aktienmarkt abzulesen bei vielen Firmen aus SDAX, MDAX oder der noch tiefer liegenden Börsenreihen.

“In den USA dagegen hat sich die Abhängigkeit des breiten S&P von den magischen Sieben, jenen Aktien um Google, Amazon, Microsoft oder Nvidia, statistisch deutlich verringert”, erläutern die Experten vom Lynx-Broker. Die verbleibenden 483 Titel aus dem US-Börsenindex S&P 500 haben deutlich aufgeholt und ihr Gewinnwachstum überzeugt auf ganzer Linie. Das spiegeln auch die bei der Börse München oder bei BitPanda am meisten gehandelten Basiswerte. Es kommen immer wieder Neulinge aus der zweiten US-Reihe hinzu während früher eher Nvidia, Alphabet und Tesla die Tage beherrschten. Schauen wir uns die Daten ohne Detail einmal an.

Die aktuellen Quartalszahlen des S&P 500 zeigen, dass die Stärke des amerikanischen Aktienmarktes längst nicht mehr allein auf Künstlicher Intelligenz und dem Technologiesektor beruht. Laut FactSet sind die Unternehmensgewinne im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr um rund 50 Prozent gestiegen – das stärkste Wachstum seit 2021. In 86 Prozent der Fälle übertrafen die Unternehmen die Gewinnschätzungen der Analysten. Allerdings verzerren zwei außergewöhnliche Sondereffekte das Bild: Alphabet profitierte von einem nicht realisierten Bewertungsgewinn von rund 98 Milliarden Dollar aus Beteiligungen, unter anderem an SpaceX und Anthropic. Amazon verbuchte durch die Neubewertung seiner Beteiligung an Anthropic einen nicht-operativen Ertrag von 53,4 Milliarden Dollar vor Steuern. Bereinigt um diese Effekte lag das Gewinnwachstum des S&P 500 laut FactSet immer noch bei rund 32 Prozent – ein ausgesprochen starkes Ergebnis.

Gewinne einfach top

Entscheidend ist jedoch weniger die absolute Höhe des Gewinnwachstums als dessen zunehmende Breite, so die Experten von Oddo BHF. Die Magnificent Seven kamen im zweiten Quartal auf ein Gewinnwachstum von rund 120 Prozent, doch auch die übrigen S&P-500-Unternehmen legten beim Gewinn um rund 30 Prozent zu. „Die Gewinndynamik gewinnt an Breite“, schreibt Peter Reichel, Chief Investment Officer von ODDO BHF SE, in seiner Auswertung der Quartalszahlen. Damit verliert die Abhängigkeit des Index von wenigen Mega-Caps allmählich an Bedeutung, ohne dass deren fundamentale Rolle verschwindet.

Öl hilft

Auch der Blick auf die größten Gewinnbeiträge unterstreicht diese Entwicklung: Von den fünf Unternehmen mit den höchsten Gewinnbeiträgen im zweiten Quartal gehört mit Nvidia nur eines zu den Magnificent Seven. Hinzu kommen Micron, Chevron, Exxon Mobil und Broadcom. Die Iran-Krise hat den Ölgiganten die Taschen also nicht nur in Europa gefüllt. Zudem verzeichneten zehn der elf Sektoren ein positives Gewinnwachstum. Einzige Ausnahme war der Gesundheitssektor, der unter anderem durch regulatorischen Druck sowie Unsicherheiten bei Gesundheits-, Medikamenten-, Zoll- und Handelspolitik belastet wurde.

Für die kommenden Monate sprechen die Prognosen ebenfalls für eine weitere Verbreiterung. Die Gewinne der übrigen 493 S&P-500-Unternehmen könnten den Analystenschätzungen zufolge um rund 25 Prozent wachsen und damit erstmals schneller als die Gewinne der Magnificent Seven, für die knapp 23 Prozent erwartet werden. Investitionen in Infrastruktur, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz könnten zusätzlich andere Wirtschaftsbereiche stärken. „Je stärker sich die Dynamik von wenigen Mega-Caps auf weitere Sektoren ausdehnt, desto robuster wird die Grundlage für den Aktienmarkt“, so Reichel.

Die Bewertungen des US-Aktienmarktes erscheinen beim Kurs-Gewinn-Verhältnis auf den ersten Blick moderat bis hoch. Das relativiert sich jedoch angesichts des erwarteten Gewinnwachstums. Entscheidend wird sein, ob die Unternehmen diese eingepreisten Gewinnsteigerungen tatsächlich liefern. Je breiter sich die Gewinndynamik über Sektoren und Unternehmen verteilt, desto robuster dürfte die Grundlage für den US-Aktienmarkt im zweiten Halbjahr 2026 und darüber hinaus sein, glaubt Oddo.

Das Fazit im Spätsommer 2026 lautet – es gibt wenig Anlass, an der Stärke der USA zu zweifeln.

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