Die Bilanzsaison nimmt in dieser Woche Fahrt auf, außerdem stehen der ZEW-Index und zahlreiche andere Einkaufsmanagerindizes im Fokus.

Die jüngste Erholung im DAX nährt die Hoffnung auf eine stabilere Jahresendphase, doch hohe Energiepreise, der Nahost-Konflikt und fragile Lieferketten halten die Unsicherheit hoch. Die Berichtssaison liefert den nächsten Prüfstein für die Aktienmärkte, insbesondere für hoch bewertete Technologiewerte und KI-Stories, deren Investitionswelle zunehmend kritisch hinterfragt wird.

Aus deutscher Sicht setzt am Montag der Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe den Ton, weil er Aufschluss darüber gibt, ob die Industrie nach den schwachen Vormonaten allmählich einen Boden findet. Am Dienstag schärfen die Erzeugerpreise den Blick auf den heimischen Kostendruck und damit auf das Risiko, dass höhere Energiepreise erneut in die Teuerung durchschlagen. Gemeinsam mit den ZEW-Konjunkturerwartungen, die das Stimmungsbild der Finanzprofis liefern, entsteht ein dichtes Bild der Perspektiven für die deutsche Wirtschaft. Ergänzend steuern am selben Tag die Leistungsbilanzdaten des Währungsraums sowie die Bauproduktion ein Update zur Lage in der Euro-Wirtschaft bei. Den Abschluss markiert am Freitag der frische S&P-Global-Einkaufsmanagerindex für Deutschland, flankiert von den parallelen Werten für die Eurozone, die als bedeutender Frühindikator für die Frage gelten, ob sich die Konjunktur in Richtung Stagnation oder leichte Erholung bewegt.

Deutsche Einzelaktien

Bei den kontinentaleuropäischen Unternehmen nimmt die Berichtssaison spürbar Fahrt auf, wenn auch ohne ganz große deutsche Schwergewichte. Den Auftakt macht am Montag die österreichische Bawag Group mit Quartalszahlen, während die deutsche Norma Group ein Strategie-Update liefert, das nach den vergangenen Strukturmaßnahmen Orientierung zu Margen- und Wachstumszielen geben dürfte. Am Dienstag rückt mit den Zahlen der Deutschen Börse ein DAX-Wert in den Mittelpunkt; der Betreiber der Frankfurter Handelsplätze gibt am Abend Einblick in das Ergebnisumfeld aus Handel, Abwicklung und Datengeschäft. Zur Wochenmitte folgen in Deutschland unter anderem Intershop mit Quartalszahlen sowie am Abend Flatexdegiro, wo nach den Turbulenzen der vergangenen Jahre insbesondere das Wachstum im Brokerage-Geschäft und die Profitabilität im Blick stehen. Zusätzlich erläutert die Deutsche Börse am Mittwoch in einer Analystenkonferenz ihre Zahlen und den Ausblick. Am Donnerstag und Freitag dominiert dann eine breite Welle europäischer Blue Chips von Roche, Nestlé und Kuehne & Nagel über Unicredit und Hermes bis hin zu Eni und Safran das Bild, das die Sektorrotation zwischen Konsum, Pharma, Industrie und Finanzwerten anzeigt, auch wenn direkte deutsche Impulse zum Wochenausklang überschaubar bleiben.

USA:

In den Vereinigten Staaten dreht sich die Woche einmal mehr um die Frage, wie robust Konjunktur und Immobilienmarkt den Zinsdruck verkraften. Bereits am Montag gibt der NAHB-Index einen aktuellen Eindruck von der Stimmung der Bauunternehmen und damit von der Tragfähigkeit des Wohnimmobilienmarkts bei hohen Finanzierungskosten. Am Dienstag wird es mit dem wöchentlichen ADP-Bericht zur privaten Beschäftigung, dem Philadelphia-Fed-Index als regionalem Stimmungsbarometer und den Daten zu Baubeginnen, -genehmigungen und schwebenden Hausverkäufen deutlich dichter: Zusammen zeigen sie, ob der Arbeitsmarkt weiter straff bleibt und ob die Zinswende die Bautätigkeit spürbar bremst. Zur Wochenmitte liefert der wöchentliche Ölmarktbericht der Energiebehörde am Mittwoch Hinweise darauf, ob geopolitische Spannungen und Förderdisziplin bereits zu einem engeren Markt führen, was über den Energiesektor hinaus für die Inflationsdebatte relevant wäre. Am Donnerstag folgen die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sowie der Frühindikator, die als kurzfristige Signale für eine mögliche Abkühlung gelesen werden. Den Abschluss setzen am Freitag die ersten Oktober-PMIs für die US-Wirtschaft zusammen mit dem endgültigen Verbrauchervertrauen der Universität Michigan, das die Stimmung der Haushalte und damit die Aussichten für den Konsum misst.

US-Einzelaktien

Unternehmensseitig steht in den USA eine der dichtesten Wochen der laufenden Berichtssaison an, in der mehrere Schwergewichte aus Industrie, Finanzen und Technologie den Takt vorgeben. Am Dienstag eröffnet eine breite Front mit 3M, General Motors, GE Aerospace, Northrop Grumman und Halliburton das Zahlenfeuerwerk und liefert damit ein Querschnittsbild von Industrieproduktion, Rüstungsausgaben und Ölserviceaktivität; parallel melden unter anderem Netflix und United Airlines nachbörslich, womit Streaming-Trends und Reiselust der Verbraucher auf den Prüfstand kommen. Am Mittwoch folgen mit AT&T, IBM, Meta, Texas Instruments, Lam Research und Tesla gleich mehrere Leitwerte aus Kommunikation, Halbleitern und Elektromobilität, deren Aussagen zu Investitionen in Netze, KI-Infrastruktur und Nachfrage im Tech-Segment für die gesamte Sektorbewertung maßgeblich sein dürften. Der Donnerstag bringt mit Comcast, Spotify, Dow, Honeywell, Procter & Gamble, AIG, Nasdaq und Lockheed Martin eine zweite große Welle quer durch Medien, Konsum, Chemie, Industrie und Verteidigung, die Aufschluss über Preissetzungsmacht, Investitionsbereitschaft und Werbeausgaben verspricht. Zum Ausklang der Woche richtet sich der Blick am Freitag auf American Express, deren Zahlen traditionell als Gradmesser für Reise- und Konsumfreude im gehobenen Kundensegment gelten und damit einen zusätzlichen Baustein für das Bild der US-Nachfrage liefern. Im frühen Handel notieren die US-Aktienindex-Futures heute im Plus.

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