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Vonovia als Caritas Berlins

Der Aktienkurs der Vonovia kennt nur die Richtung nach unten. Am Berliner Wohnungsmarkt ist der Sozialismus nicht erst seit September angekommen. Mietern nützt all dies wenig – im Gegenteil.

Das entscheidende Thema bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin war bekanntlich die Wohnungsfrage. Die linksradikale Partei die Linke suggeriert, dass die Mieten in Berlin zu hoch seien und hat als Feind all jene auserkoren, die in Berlin Wohnraum zur Verfügung stellen. Die Konzerne Vonovia respektive Deutsche Wohnen sind angesichts ihres Immobilienportfolios eng mit der Stadt Berlin verknüpft. Historisch hatte Berlin einen deutschlandweit einzigartig hohen, prozentualen Anteil an genossenschaftlichen Immobilien und staatlichen Wohnungsbau. Im Zuge des Bankenskandals in Berlin der neunziger und zweitausender Jahre privatisierte die Stadt ihren damaligen Wohnungsbestand. Dabei muss man wissen, dass zur Zeit der Privatisierung Anfang der zweitausender Jahre Berlin längst nicht die Attraktivität besaß, die die Stadt vor allem bis zum Jahr 2020, beginnend im Jahr 2010, ausstrahlte.

Berlin war geprägt von Wegzug und ebenso wie andere große Städte im Osten Deutschlands wie Leipzig und Dresden mit Mietermangel geprägt. In Stadtteilen wie Friedrichshain, Prenzlauer Berg oder Kreuzberg konnten sich Mieter mitunter ihre Wohnung frei aussuchen zu niedrigen Mieten. Dass die Mieten in Berlin ungeachtet der Argumentation der Linkspartei nach wie vor im Mittel keinesfalls überhöht sind, zeigen internationale Vergleiche, die Kaufkraft und Einkommensfragen berücksichtigen. Der Vorwurf der Profitmaximierung und des Wohlergehens von Konzernen Vonovia steht diametral der Entwicklung des Aktienkurses in den vergangenen Jahren entgegen, der sowohl bei Vonovia als auch Deutsche Wohnen nur den Weg in Richtung Süden kennt.

Der Aktienkurs als Warnsignal für Investoren

Die Aktie von Vonovia wird gegenwärtig sogar mit einem hohen, zweistelligen (60 prozentigem) Abschlag zum Buchwert gehandelt, was nichts anderes bedeutet, als dass der Kapitalmarkt erhebliche Risiken politischer Art für Vonovia in den Kurs eingearbeitet hat. Man könnte formulieren, dass der gewollte Sozialismus in Berlin für Investoren nichts anderes als eine rote Flagge darstellt und sich dies kumuliert eben in den Aktien von Vonovia und Deutsche Wohnen. Das als Zweitrundeneffekt internationaler Investoren, die Stadt Berlin meiden dürften und die Pläne der Linken und auch jene von SPD und Grüne Investoren vertreiben, ist in Berlin jetzt schon zu spüren, denn anders als europäische Großstädte wie Paris, Madrid, London oder Lissabon ist Berlin weder für große DAX-Konzerne noch für die Startup-Szene von übergeordneter Bedeutung.

Vielmehr hat sich Berlin zu einer Stadt von Behörden und Staatsangestellten entwickelt. Das Argument gegen Deutsche Wohnen und Vonovia lautet gerade in linken Kreisen immer wieder, dass man sich doch bitte ein Beispiel nehmen solle an einer in Sachen Vermietung vorbildlichen Stadt wie Wien.

Dort ist der kommunale Wohnungsbau sehr stark, die Stadt jedoch seit einigen Jahren ebenfalls von einer linksgerichteten Führung geprägt. Viele haben bezogen auf den Wohnungsmarkt eine Art Wien-Tourette entwickelt, welches nichts anderes bedeutet, als bei Fragen der Miethöhe stets auf die österreichische Hauptstadt zu verweisen.

Da dürfte es einige Fachunkundige durchaus verwundern, dass im Jahr 2025 die Nettokaltmieten beim Neubau in Wien erstmals die Marke von 20 Euro überschritten haben. 20 Euro sind dabei kein Schreibfehler, sondern das, was in Wien im Jahr 2025 erhoben wurde. Dies liegt auch daran, dass viele der schönen Altbauten den Mieter selten wechseln und von vielen Mietern als Zweitwohnungen genutzt werden, da die Mieten entsprechend niedrig sind und man sich selbst bei einem Wegzug ausleihen, diese Wohnung noch als Heimstatt vorhält. Besonders interessant wird die Miethöhe von 20 Euro im Neubau in Wien aber, wenn man die Durchschnittsnettokaltmiete der Vonovia in Berlin gegenüberstellt.

Diese liegt nämlich nach Angaben von Vonovia und Daten der Stadt Berlin bei nicht einmal neun Euro, präzise gesprochen bei 8,81 Euro. Der extrem abgestürzte Aktienkurs von Vonovia hat selbstverständlich nicht nur Berliner, auch die deutliche Steigerung am Zinsmarkt von 0,5 % für die Finanzierung eines zehnjährigen Kredits auf rund 4 Prozent hat am Immobilienmarkt seine Spuren hinterlassen. Was der Aktienkurs von Vonovia aber nicht verändern wird, ist die Nutzlosigkeit eines Regulierens und eines Deckelns des Mietmarktes. Dafür kann man jede Stadt weltweit zur Rate ziehen, die einen Mietendeckel probiert hat und sich auch mal in der Schweiz umsehen, denn die Mutter des Mietendeckels ist dort die Stadt Genf. Und in der Tat sind die Mieten im Stadtkern für den Bestand durchaus niedrig. Es ist jedoch de facto zum einen nahezu unmöglich, eine Wohnung zu finden. Zum anderen aber hat der Mietendeckel erstaunliche Nebeneffekte.

Der Mietendeckel und seine Nebeneffekte

Die lediglich 30 Minuten entfernte französische Stadt am See profitiert immens von der Deckelung der Mieten und der Unattraktivität für Investoren in Genf und zeigt eskalierende Preise für Neubau, Grundstücke und Mieten. Eine jüngste Studie der UBS weist Genf weiterhin als Immobilienmarkt mit erhöhtem Immobilienblasenrisiko und sehr hohen Immobilienpreisen aus.

Das Problem ist also nicht weg. Es wird lediglich verlagert. So wird auch die schöne Forderung, Deutsche Wohnen zu enteignen oder deren Bestände zu vergesellschaften, populistisch und demagogisch bleiben, jedoch für Mieter nachteilig wirken und zugleich eines sicher nicht schaffen, neuen Wohnraum. Und gleichzeitig dies als kleiner Trost für alle linken Aktivisten auch keine florierenden Aktienkurse von Vonovia, falls dies das eigentliche Ziel sein sollte. Immerhin dies haben die Linken in Berlin erreicht.

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