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US-Dollar trotzt Donald Trump

Der Krieg mit dem Iran und die damit zusammenhängende Inflation hat die US-Zinsen angeheizt. Bald stehen die Mid-Term-Wahlen an und Investoren schauen auf die Solidität der USA.

Ein Indikator dafür, wie gut es einem Land geht, sollte seine Währung sein. Im Vergleich zu Europa überrascht dabei fast die jüngste Entwicklung des US-Dollar. Denn Ende September knickte der Euro zum Dollar auf ein Jahrestief weg. Mit anderen Worten – der US-Dollar zeigt Stärke. Oder anders gesagt – er wird gekauft, weil Investoren Assets wollen, die in Dollar verahndelt werden. Ein Teil der Stärke geht also auch auf den Dollar-Umschlag zurück. Denn nicht alles in den USA läuft rund. Ein Hinweis zum unterschwelligen Grummeln in einer Volkswirtschaft kommt vom Anleihemarkt.

Der Zinsaufschlag, den Unternehmen mit mittlerer Bonität gegenüber erstklassigen Schuldnern zahlen müssen, ist zwar weiterhin sehr niedrig. „Dieser sogenannte BBB-AAA-Spread zeigt, wie groß die Risikoprämie für Unternehmen mit schwächerer Bonität ist“, erklärt Lars Reichel von gettex. Bleibt dieser Abstand niedrig, sehen Anleger offenbar kein deutlich erhöhtes Ausfall- oder Finanzierungsrisiko. Ein kräftiger Anstieg wäre dagegen ein Warnsignal. Banken und Investoren würden vorsichtiger und Unternehmen müssten für neue Kredite deutlich mehr bezahlen.

Real bleibt alles noch alles im Reinen

Auch die Realwirtschaft liefert bislang keine komplett gegenteiligen Signale. Umfragen unter Kleinunternehmen zeigen eine relativ gute Kreditverfügbarkeit. Regionale Fed-Erhebungen und Auftragserwartungen deuten auf anhaltende Investitionsbereitschaft hin. Solange die Finanzierungskanäle offen bleiben, muss eine höhere Fed Funds Rate nicht automatisch zu einem wirtschaftlichen Abschwung führen. Damit kommt die zweite Hälfte der Gleichung ins Spiel: die Gewinne. „Denn selbst höhere Zinsen müssen Aktien nicht zwangsläufig belasten, wenn die Unternehmen gleichzeitig ihre Gewinne kräftig steigern“, so Experte Reichel. Und genau das ist seit Monaten der Fall.

Gewinnwachstum ist der entscheidende Puffer

Die Analystenschätzungen für die US-Unternehmen wurden im laufenden Quartal weiter nach oben angepasst. Auch die Unternehmen selbst geben überwiegend einen konstruktiven Ausblick. „Für das dritte Quartal wird inzwischen ein Gewinnwachstum des S&P 500 von rund 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr erwartet“, erläutert Andreas Lipkow vom Zertifikatehaus CMC Markets. Zu Beginn des Quartals waren es noch gut 26 Prozent. Gleichzeitig werden für die Umsätze zweistellige Zuwächse erwartet. Kein Wunder, dass die Investmentbank Goldman Sachs beim S&P 500 zeitnah die Marke von 8.000 Punkten und mehr erwartet und andere Häuser es ähnlich sehen.

Die einzelne Zahl ist dabei weniger wichtig als die Richtung: Die Gewinnerwartungen steigen, obwohl die Zinsen höher sind. Das ist für die Börse der entscheidende Gegenpol. Die Kapitalkosten steigen zwar, gleichzeitig wächst aber auch die Ertragskraft der Unternehmen. Das Verhältnis zwischen beiden Größen ist deshalb wichtiger als die isolierte Betrachtung des Leitzinses. Solange das Gewinnwachstum hoch genug ist, können die Unternehmen höhere Finanzierungskosten verkraften und einen Teil des Bewertungsdrucks durch höhere Zinsen auffangen.

Wachstum schlägt Finanzierung

Damit bleibt die Ausgangslage derzeit vergleichsweise robust: Die Geldpolitik wird zwar straffer, gleichzeitig wachsen die US-Unternehmen kräftig, die Kreditmärkte funktionieren und die Gewinnerwartungen steigen weiter. Das ist eine deutlich andere Situation als ein Umfeld, in dem steigende Zinsen auf einbrechende Gewinne und zunehmend angespannte Finanzierungsbedingungen treffen. Solange die Kreditmärkte funktionieren und die Ertragskraft der Unternehmen mit den höheren Kapitalkosten Schritt hält, bleibt ein Zinsschritt zunächst nur ein Zinsschritt. Problematisch wird es erst, wenn aus höheren Zinsen eine echte Belastung für die Finanzierung und zugleich für die Gewinne wird. Oder wenn die politischen Turbulenzen echte Ausstrahlung in die Unternehmen haben. Doch davon ist – Mid-Terms hin oder her – nichts zu merken.

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