
Bei Avis läuft der Kurs der Nachricht voraus. Die Aktie hat sich innerhalb eines Monats um rund 264 Prozent verteuert und legte am Montag noch einmal um 24 Prozent zu, obwohl es dafür keine neue operative Wendung im Geschäft gab. Die belastbarste Erklärung liegt im Marktmechanismus selbst: sehr hohe Leerverkaufsquoten, Optionspositionen rund um Pentwater Capital und ein dadurch beschleunigter Short Squeeze. Für die Aktie ist das kursrelevant, weil der Anstieg damit vor allem technisch getrieben ist und deutlich weniger von einer verbesserten Ertragslage lebt.
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Diese Lesart wird durch die Kapitalmaßnahme des Unternehmens eher gestützt als widerlegt. Avis hat am 27. März ein At-the-Market-Programm aufgelegt, über das bis zu 5 Millionen Aktien verkauft werden können. Das schafft im Grundsatz zusätzliche Verwässerung und signalisiert, dass das Management das erhöhte Kursniveau für potenzielle Finanzierungsspielräume nutzen will. Dass die Aktie den Rückschlag auf diese Meldung schnell abgeschüttelt hat, spricht weniger für neue fundamentale Überzeugung als für die Wucht der Eindeckungen und die Knappheit im frei handelbaren Bestand.
Für Anleger ist damit der entscheidende Punkt nicht die Frage, ob Avis operativ stabiler wird, sondern ob der Kurs sich wieder an den Geschäftsdaten orientiert. Solange der Markt von Short-Interessen, Derivaten und Positionszwängen getrieben wird, bleibt die Aktie anfällig für extreme Ausschläge in beide Richtungen.