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Tradingideen

Broker – die neusten Entwicklungen

Der DAX liegt auf fast Rekordlevel. Bei Aktienbrokern geht es 2024 aber so richtig rund. Vorstände müssen neu besetzt werden und Aktienkurse sollten sich erholen.

Wenn ein Großaktionär eines SDAX-Konzerns publikumswirksam die Führungsmannschaft in Frage stellt, muss einiges geboten sein. So ist es im Frühjahr 2024, da beim Broker Flatex sprichwörtlich der Baum brennt. Der ausgeschiedene CEO Frank Niehage hat Flatex in den vergangenen Jahren nicht nur kaum vorangebracht im Vergleich zur Konkurrenz wie Trade Republic. Er hatte den Aktienkurs auch vom zugegeben recht absurden Rekordhoch von 29 Euro auf zeitweise vier Euro heruntergewirtschaftet. Bei Bekanntgabe des Ausscheidens standen neun Euro zubuche.

Aktie im Tiefflug

Dass die Aktie seither fast 50 Prozent gelaufen ist, liegt daran, dass Großaktionär Bernd Förtsch massiv Druck machte hinsichtlich neuer Führung und vor allem einer besseren Strategie des Brokers. Ausgesprochen bemerkenswert für einen SDAX-Konzern ist jedoch das Bonusprogramm, dass sich Niehage in der Corona-Zeit einfallen und vom Aufsichtsrat durchwinken ließ. Ein zweistelliger Millionenbetrag floss zusätzlich zum schon üppigen Festgehalt plus Bonus an den CEO. Wohlgemerkt zu einer Zeit, da der Aktienkurs nur die Richtung nach Süden kannte. Dass dies einen Macher wie Förtsch, Eigentümer des Börsenmedien-Verlags, nicht ungerührt ließ, war fast zu erwarten.

Alt muss nicht schlecht sein

Dabei hat Flatex durchaus einiges zu bieten. Denn die Kundenbasis ist stark und man weiß das Brokergeschäft zu bespielen. Gelänge es in den kommenden Jahren in Sachen Haptik beispielsweise mit Trade Republic gleichzuziehen, wäre dies eine Ansage. Denn das Volumen pro Trade ist bei den Berlinern ziemlich dünn wogegen bei etablierten Adressen wie eben Flatex oder Consorsbank deutlich höhere Trade-Volumina anfallen. Die Kundschaft ist im Schnitt älter was am Kapitalmarkt nicht schlecht sein muss. Denn älter bedeutet häufig auch vermögender.

Berliner im Umbruch

Dies trifft in Teilen auch auf den Smartbroker zu. Die Berliner taten sich mit ihrer Neugestaltung der Plattform und Aufbau der App lange Zeit schwer, kommen nun aber ins Laufen. Das optische Angebot ist dabei optisch auf junges Publikum zugeschnitten, jedoch bringt man bei Handelsplätzen und Basiswerten die älteren Kunden stark ins Spiel. Vor allem der Anleihenbereich ist in Hochzinszeiten sehr spannend und der Smartbroker weist dort ein Alleinstellungsmerkmal auf.

Anleihen als Anker

Da Anleihen mit über 3700 Milliarden Euro investiertem Geld in Deutschland und über 7,2 Millionen investierten Kunden sehr gefragt sind, bietet man den Anleihenhandel an über 29 Handelsplätzen und offeriert über 40.000 Staats- und Unternehmensanleihen kostenfrei bzw. bis zu vier Euro je Order handelbar. Die Neuerungen schlagen sich gegenwärtig auch im Aktienkurs nieder. Die Aktie stößt um sechs Euro immer wieder auf hartnäckige Nachfrage und ließ sich auch 2022 und 2023 nicht unter dieses Level drücken. Börsianer nennen dies dann Bodenbildung und der Firmenwert des Smartbroker ist mit 112 Millionen Euro ohnehin ausbaufähig und mit Phantasie nach oben versehen.

Bei der Konkurrenz aus Frankfurt kommt es Anfang Juni übrigens zum Schwur. Dann wird der neue Vorstand bei Flatex festgesetzt und gegebenenfalls müssten 75 Prozent der Aktionäre zusammenkommen und beschließen sich vom sehr umstrittenen Aufsichtsratschef zu trennen. Jener wird in Finanzkreisen als sehr eng verbunden mit dem Ex-Chef Frank Niehage beschrieben. In Sachen Fehlentwicklungen und Aktienkurs erinnert das Führungsteam an die schlimmen Jahre bei Bayer ab 2016. Bleibt die Hoffnung für Aktionäre, dass die Erholung bei Flatex schneller gehen wird.

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