An der Börse sind die alten Helden nicht immer die besten Anlagemöglichkeiten. Auf den letzten beiden Plätzen im DAX rangieren die Top-Stars vergangener Zeit.
Eine Geschichte wie diese schreibt meist nur die Börse. Für Listenplatz 39 und 40 bei den best gelaufenen Aktien der letzten 12 Monate spuckt die Münchner Börse SAP und Rheinmetall aus. Welch ein Desaster. „Vor nicht allzu langer Zeit wurde wegen SAP über die Gewichtung der DAX-Stars im DAX diskutiert und feierte man Rheinmetall auf der 200-Euro-Marke“, so Thomas Soltau vom Smartbroker. Auf dem Podium der vergangenen zwölf Monate rangieren nach Berechnungen von CMC Markets dagegen zwei Titel, die in den Vorjahren massiv dem Index nachliefen – Bayer und Infineon. Für das Gewesene gibt der Kaufmann also rein gar nichts.
Allianz – ein guter von gestern
Doch man kann auch über viele Jahre gleichmäßig oben mitspielen. Vor einiger Zeit reaktivierte die Allianz ihre Werbespot-Klassiker der 80er-Jahre vom alten Mann am Kirschbaum bis zur jungen Frau in Süditalien. Allein – dies ist Folklore oder bestenfalls Marketing und Werbung. An der Börse zählen Fakten und da schlug sich der Versicherer lange Zeit und auch 2026 sehr gut. Auf 12 Monate stehen im Vergleich zum DAX sehr anständige 20 Plusprozente.
Wenige Aktien richtig gut
Zumal seit Jahresbeginn der DAX nur knapp im Plus liegt, und das spiegelt sich auch beim Blick unter die Indexoberfläche wider. Nur dank der Kursgewinne einiger Schwergewichte wie Siemens, Siemens Energy, Infineon und Deutsche Telekom steht die schwarze null. Doch die Verlierer der ersten fünf Monate sollte man nicht vorschnell abschreiben – ein gutes Beispiel dafür ist diesmal die Münchener Rück. Das Minus von 20 Prozent seit Jahresbeginn schmerzt auf den ersten Blick, die Ursachen sind jedoch vielfältig. Nicht unerwähnt bleiben darf die üppige Ausschüttung von 24 Euro und der damit verbundene hohe Dividendenabschlag Ende April. Zusätzlich belasteten zuletzt die Preise bei den Erneuerungsrunden die Stimmung.
Da das Jahr 2025 von vergleichsweise wenigen großen Naturkatastrophen geprägt war, ist der Spielraum für weitere Preiserhöhungen begrenzt. Das Neugeschäft konnte damit die hohen Erwartungen des Marktes nicht mehr vollständig erfüllen. Zur Erinnerung: Zwischen Juli 2022 und April 2025 war der Kurs um 180 Prozent gestiegen. Seitdem ging es zeitweise um rund 30 Prozent nach unten. Viele, möglicherweise auch überzogene Zukunftserwartungen wurden damit bereits ausgepreist.
Munich Re – Vorbild Bayer und Infineon
Aus antizyklischer Sicht wird die Aktie dadurch wieder interessant, denn die Bewertungsrelationen haben sich deutlich verbessert. Mit einem erwarteten KGV von neun für 2026 zählt die Münchener Rück zu den sieben günstigsten Titeln im DAX und notiert klar unter ihrem langfristigen Durchschnitt. Gleichzeitig ist die Dividendenrendite wieder auf rund 5,5 Prozent gestiegen. Aus Sicht der Markttechnik fällt vor allem der Abschlag von 15 Prozent zur 200-Tage-Linie auf. Dies ist der höchste Discount seit dem Corona-Schock. Natürlich gibt es an der Börse keine Garantie für ein Comeback – aber eben auch keine Garantie, dass ehemalige Stars oben bleiben.