Der Ausverkauf bei hoch bewerteten Momentum-Aktien hat historische Ausmaße erreicht. Der High-Beta-Momentum-Korb von Goldman Sachs verliert im laufenden Monat rund 37 Prozent und steuert damit auf den größten Monatsverlust seit Beginn der Datenreihe 1999 zu – stärker als während des Platzens der Technologieblase und der Finanzkrise. Gleichzeitig steht der Nasdaq 100 unmittelbar vor einer technischen Korrektur von zehn Prozent gegenüber seinem Rekordhoch.
Wie brutal die Bereinigung ausfällt, zeigt SanDisk. Die Aktie verlor innerhalb eines Monats rund 50 Prozent, der täglich gehebelte ETF SNDU sogar 83 Prozent. Letzterer überzeichnet die Bewegung aufgrund seiner Konstruktion, macht aber sichtbar, wie konsequent Anleger Risiko und Hebel aus den bisherigen Gewinnern abbauen. Der Verkaufsdruck betrifft bislang vor allem überfüllte High-Beta-Positionen und weniger den gesamten Aktienmarkt.
Denn parallel dazu erreichte Apple kurzzeitig eine Marktkapitalisierung von fünf Billionen Dollar. Nach Nvidia ist der Konzern damit erst das zweite Unternehmen, das diese Schwelle überschritten hat. Der Rekord zeigt allerdings keine Rückkehr breiter Risikobereitschaft. Kapital konzentriert sich vielmehr auf wenige Mega-Caps mit hoher Bilanzqualität. Zugleich verschiebt sich die Wahrnehmung des KI-Rennens: Apple wird zunehmend als vergleichsweise defensiver Profiteur gehandelt, während spekulativere Halbleiter- und Infrastrukturwerte unter ihren hohen Erwartungen zusammenbrechen.
JPMorgan wertet die Bereinigung bereits als taktisches Kaufsignal. Sinkende Anleiherenditen, ein schwächerer Dollar, eine unveränderte Geldpolitik der Fed und robuste Unternehmensgewinne sprechen nach Einschätzung der Bank für weiteres Potenzial im S&P 500. Die Argumentation ist plausibel, solange der Rückgang der Renditen nicht Ausdruck einer deutlichen Konjunkturabkühlung ist. Gegen einen sofortigen breiten Einstieg sprechen zudem die weiterhin hohe Positionierung im Halbleitersektor und die Spannungen zwischen den USA und Iran.
Das Gesamtbild ist damit zweigeteilt: Der Momentum-Crash schafft erste attraktive Einstiegsniveaus, liefert aber noch kein belastbares Signal für einen abgeschlossenen Boden. Solange der Nasdaq 100 seine Korrektur nicht stabilisiert und Halbleiterwerte weiter unter Positionierungsdruck stehen, sollte der Fokus auf gestaffelten Käufen in den fundamental stärksten Titeln liegen. Apple zeigt, wohin das Kapital derzeit fließt: weg von maximalem Hebel, hin zu Qualität und Liquidität.
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