Der deutsche Leitindex ist am Donnerstag 10 Punkte tiefer in den Handel gestartet und notierte bei 26.116 Zählern. Seine Talsohle erreichte er nach Handelsbeginn bei 26.082 Punkten. Von da an zog er am frühen Nachmittag bis auf 26.229 Zähler an. Den Handelstag beendete der DAX bei 26.140 Indexpunkten. Das waren 14 Punkte beziehungsweise 0,1 Prozent mehr.
DAX und MDAX haben sich nach der Rekordrally der Vortage nur wenig verändert und eine Verschnaufpause eingelegt. Auf der Handelsseite bestimmten zahlreiche Quartalsberichte das Geschehen, wobei Zahlen von acht DAX-Konzernen im Fokus standen. Im deutschen Leitindex avancierten die Aktien der Deutschen Telekom nach einem angehobenen Barmittel-Ausblick und beschlossenen Aktienrückkäufen zu einer wichtigen Stütze, während Gewinnmitnahmen bei Siemens belasteten. Geopolitisch blieb der ungelöste Iran-Konflikt ein Thema, zugleich bestehen Hoffnungen auf eine Einigung zwischen Iran und Oman zur Schifffahrt durch die Straße von Hormus. Konjunkturseitig meldete die deutsche Industrie für Juni einen überraschenden Anstieg der Auftragseingänge, während in der Eurozone die Einzelhandelsumsätze im Juni um 0,3 Prozent sanken und damit entgegen der Erwartung eines leichten Anstiegs lagen.
In den USA stiegen die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe nur leicht auf 199.000 und blieben damit die dritte Woche in Folge unter der Marke von 200.000, was auf einen weiterhin robusten Arbeitsmarkt schließen lässt. Offen blieb, wie sich der globale Megatrend Künstliche Intelligenz künftig auf die Aktienkurse auswirken wird. Der MDAX kam kaum vom Fleck, er gewann lediglich 5 Punkte und schloss bei 32.431 Zählern. Für den EuroStoxx 50 ging es um 0,4 Prozent auf 6.503 Punkte nach oben. Der Euro notiert heute früh bei 1,1530 Dollar. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs gestern auf 1,1542 Dollar fest, nach 1,1554 Dollar am Vortag. Die Umlaufrendite erhöhte sich um 2 Basispunkte auf 3,08 Prozent.
DAX-Einzelwerte
An der Spitze des DAX lag die Deutsche Telekom mit einem Plus von 6,3 Prozent, getragen von der massiven Ausweitung des Aktienrückkaufprogramms und besser als erwarteten Quartalszahlen. Henkel legte 3,9 Prozent zu, nachdem starke Halbjahreszahlen mit höherer Marge und eine angehobene Umsatzprognose das Vertrauen in die Strategie stärkten. Zalando kletterte um 2,8 Prozent; eine Hochstufung durch die DZ Bank, die die technologische Stärke und das Ende der BaFin-Unsicherheit betonte, sorgte hier für zusätzlichen Auftrieb. Am DAX-Ende rangierte Scout24 mit einem Minus von 6 Prozent, belastet von einer leicht verfehlten Ergebnismeldung, schwächerer Privatkundennachfrage und einer unveränderten Jahresprognose trotz höherer Umsatzdynamik. Der Industriekonzern Siemens gab 4,5 Prozent ab, wobei Gewinnmitnahmen nach dem Rekordlauf und Sorgen um die Nachfrage im Turbinengeschäft den Ausschlag gaben.
Der Rüstungskonzern Rheinmetall verlor 3,5 Prozent, da der Stopp des Fregattenprojekts F126 zu einer gesenkten Umsatzprognose und einem reduzierten Backlog-Ziel führte. Renk führte den MDAX mit einem Plus von 5,8 Prozent an, gestützt von starken Halbjahreszahlen mit Rekordauftragseingang und deutlich verbesserter Profitabilität. Nordex kam auf ein Plus von 4,1 Prozent, nachdem ein Großauftrag über Windturbinen in der Türkei die Bedeutung der N175/6.X-Baureihe im dortigen Markt hervorhob. Hensoldt zog um 3,3 Prozent an, was eine Kurszielanhebung widerspiegelte, die dem Sensorikspezialisten strukturelle Vorteile in einem sich konsolidierenden Rüstungssektor zusprach. Am unteren Ende der MDAX-Tafel lag Ionos mit einem Rückgang von 5,6 Prozent, hier drückten ein enttäuschendes Halbjahresergebnis, sinkende operative Marge und ein rückläufiger Gewinn auf die Stimmung. Aurubis verlor 5,5 Prozent, da verzögerte Anlaufphasen im neuen US-Werk und begrenzte zusätzliche Ergebnisfantasie den Ausblick trotz solider Zahlen trübten. Auto1 gab 4,4 Prozent nach.
US-Aktienmarkt
US-Aktien haben nach ihrem jüngsten Rekordlauf schwächer geschlossen, da nach der Rally Vorsicht und Zinssorgen überwogen. US-Notenbankerin Lisa Cook signalisierte die Bereitschaft zu weiteren Zinserhöhungen, falls sich das Inflationswachstum nicht verlangsamt, was Aktien im Vergleich zu Anleihen weniger attraktiv erscheinen lässt. Der Dow Jones und der S&P 500 verloren leicht, nachdem beide zur Wochenmitte erneut Höchststände markiert hatten, und auch der Nasdaq 100 schloss im Minus. Im Technologiesektor führten mehrere enttäuschende Unternehmensnachrichten zu teils zweistelligen Kursverlusten, darunter Honeywell Aerospace nach einer überraschenden Prognosesenkung, Applovin mit schwachem Umsatz- und Margenausblick, Datadog nach verhaltener Jahresprognose sowie Western Digital mit einem unter den Markterwartungen liegenden Umsatzausblick. Einzelwerte wie Motorola Solutions, SpaceX, ConocoPhillips und Ralph Lauren legten hingegen teils deutlich zu, gestützt von angehobenen Jahreszielen sowie besser als erwarteten Quartalsgewinnen. Der Dow Jones verlor 464 Punkte oder 0,9 Prozent auf 53.885 Zähler. Der S&P 500 fiel um 14 Punkte oder 0,2 Prozent auf 7.710. Der Nasdaq 100 beendete den Handel 114 Punkte oder 0,4 Prozent tiefer und notierte bei 29.373 Zählern. Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe stieg gestern um 6 Basispunkte auf 4,69 Prozent.
US-Einzelwerte
An der Spitze des Dow Jones stand Walt Disney mit einem Plus von 2,9 Prozent, gestützt von einer neuen globalen Content-Partnerschaft mit TikTok für Disney+ und Marken wie Marvel. Microsoft gewann 2,5 Prozent, wobei starke Quartalszahlen mit zweistelligem Umsatz- und Gewinnanstieg sowie einem boomenden Cloud- und KI-Geschäft unterstrichen, wie widerstandsfähig das Geschäftsmodell ist. Chevron zog um 1,5 Prozent an, hier verlieh der steigende Ölpreis im Zuge der Spannungen im Nahen Osten dem integrierten Energiekonzern zusätzlichen Schub. Am Ende der Rangliste stand Boeing mit einem Minus von 3,3 Prozent. Salesforce gab 3,2 Prozent ab, nachdem schwache Ergebnisse mehrerer Softwareanbieter den gesamten SaaS-Sektor unter Druck brachten und zusätzlich ein Managementwechsel für Verunsicherung sorgte. Honeywell verlor 3 Prozent, wobei enttäuschende Resultate bei der Luftfahrtsparte Honeywell Aerospace den Kurs deutlich belasteten.
An der Spitze des Nasdaq stand Space Exploration Technologies mit einem Plus von 6,1 Prozent, getragen von deutlich besser als erwarteten Quartalszahlen und der als zukunftsträchtig wahrgenommenen KI-Investitionsoffensive. Arm Holdings legte 4,4 Prozent zu, da die Aktie im Zuge der Suche nach Gewinnern der KI-Infrastruktur als robuster Chipwert hervorstach. Astera Labs rückte mit einem Aufschlag von 4,1 Prozent vor, die starken Wachstumsraten und der optimistische Ausblick im Bereich KI-Cloud-Konnektivität untermauerten die Investmentstory. Am unteren Ende der Skala rangierte Honeywell Aerospace mit einem Minus von 23,2 Prozent, hier lastete die gekappte Wachstumsprognose für 2026 zusammen mit schwachen Quartalszahlen und sinkender Profitabilität auf der Aktie. Applovin verlor 19,7 Prozent, nachdem sowohl der gemeldete Umsatz als auch der Ausblick vor allem im Gaming-Kerngeschäft hinter den hohen Erwartungen zurückblieben. Datadog büßte 19 Prozent ein, da der leichte Rückgang der Bruttomarge trotz Umsatzüberraschung in Kombination mit dem hohen Bewertungsniveau erhebliche Verkäufe auslöste.



