Eine starke Währung kann reisen wesentlich beeinflussen. Früher war es die billige türkische oder italienische Lira. Mittlerweile lockt Japan dank schwachem Yen.
In den 1980er-Jahren war für viele deutsche Touristen klar, dass der Urlaub am italischen Strand im Vergleich zur Nordsee günstig sein musste. Die normale Inflation wurde massiv durch die beständig schwache Lira abgefangen. 2026 merkt man, dass der Euro auf Mallorca oder in Rom mitunter weniger wert ist als in Berlin oder Freiburg. Ein völlig anderes Reiseziel wurde in den letzten Jahren aber immer billiger. Doch dies freut nur die Deutschen.
Der Yen macht`s
Wer in Tokio dieser Tage auf seiner Reise ein Mittagsmenü bestellt, dürfte sich im Vergleich zur Preisgestaltung in Frankfurt oder Berlin die Augen reiben. Beste Qualität für weniger als zehn Euro. Damit rechnen die wenigsten Touristen. Ein Yen-Kurs von 185 Yen für einen Euro ist jedoch eine unglaubliche Verlockung und macht für Europäer Japan zum höchst attraktiven Reiseziel. Vor 20 Jahren war Japan ausgesprochen teuer. “Der Yen notierte gerade mal bei der Hälfte”, so Lars Reichel von der Börse München und die Preise waren oben angesiedelt. Nun hat sich allerdings preislich in Tokio, Kyoto oder Fukuoka in den letzten 20 Jahren im Vergleich zu eben Frankfurt oder Berlin wenig getan, während die Preise in Deutschland massiv gestiegen sind. “Das Zauberwort in Japan hieß jahrzehntelang Nullinflation respektive Deflation”, so Stefan Riße von Acatis.
Party in den letzten Zügen
Doch am Anleihemarkt in Japan tut sich etwas, was Ökonomen seit den neunzehnhundertneunziger Jahren für nahezu unmöglich hielten. “Die Zinsen in Japan sind gestiegen und erstmals muss sich Japan mit Inflationssorgen auseinandersetzen”, so Thomas Soltau vom Smartbroker. Dies hat seinen Hintergrund in verschiedenen Effekten der letzten Jahre, wurde aber jüngst durch den Iran-Krieg noch deutlich verstärkt. Japan ist Ölimporteur und abhängig, wie so viele andere, von günstigem Öl. Gleichzeitig schlägt die Iran-Krise aber voll durch. Die Märkte setzen zwar auf eine geopolitische Entspannung im Nahen Osten und Anleger gehen fest davon aus, dass der Konflikt mit dem Iran nicht weiter eskaliert. Der Druck auf verschiedene Länder und deren Warenkörbe könnte aber noch länger anhalten.
Fallende Ölpreise als auch fallende Anleiherenditen sind für Volkswirtschaften erstmal positive”, so Franz-Georg Wenner von IndexRadar. Die Realwirtschaft wird aber erst dann nachhaltig profitieren, wenn die Energiepreise deutlicher fallen. Genau dieses Problem hat Japan. Energiepreise müssen deutlich runter und am besten im Gleichklang mit anderen Inflationstreibern, damit man bei den Zinsen nicht final ins neue Zeitalter marschiert.
185 Yen je Euro könnten bei steigenden Zinsen in Japan irgendwann ihr Ende finden und eine irgendwann eingepreiste Inflation auch das ach so günstige Mittagessen in Tokio zunichtemachen.