Der deutsche Leitindex ist am Dienstag bei 26.151 Punkten in den Handel gestartet. Er eröffnete damit 107 Zähler unter dem Schlusskurs vom Montag. Nach Handelsaufnahme markierte er zunächst ein Tageshoch bei 26.206 Indexpunkten, bevor er am Nachmittag bis auf 25.917 Punkte zurückfiel. Zum Handelsschluss stand der DAX bei 25.970 Zählern. Das entsprach einem Minus von insgesamt 288 Punkten und einem Tagesverlust von 1,1 Prozent.
Hohe Ölpreise und wachsende Inflationssorgen haben den Index zum Monatsauftakt deutlich belastet und die laufende Korrektur nach dem Rekordhoch vom Freitag verlängert. Anziehende Notierungen am Energiemarkt nach der Eskalation militärischer Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran sowie Angriffen auf die russische Ölindustrie im Ukraine-Krieg erhöhen die Teuerungsrisiken. Gleichzeitig belasten hohe Anleiherenditen und die Aussicht auf weitere Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank in der kommenden Woche und die US-Notenbank im September die Stimmung. In diesem Umfeld gab der MDAX wegen deutlicher Einbußen bei Rüstungswerten wie Renk, TKMS und Hensoldt noch stärker nach als der Leitindex. Gegenimpulse kamen vereinzelt von Unternehmensmeldungen: Symrise profitierte von einer Kaufempfehlung und dem Verkauf des US-Terpen-Geschäfts, Merck verzeichnete nach einer positiven Studie leichte Gewinne, und GFT Technologies erreichte nach einem freundlichen Analystenkommentar den höchsten Stand seit Sommer 2024. OHB geriet nach Bewertungsbedenken deutlich unter Druck. Auf der Konjunkturseite erhöhte sich die Inflationsrate in der Eurozone im August wie erwartet auf 3,3 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit September 2023, während die Arbeitslosenquote im Währungsraum im Juli bei 6,4 Prozent stagnierte. Der MDAX lag zum Handelsende mit 1,7 Prozent im Minus bei 32.173 Zählern. Der EuroStoxx 50 büßte 0,8 Prozent ein und ging bei 6.369 Punkten aus dem Handel. Der Euro wird heute früh mit 1,1580 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1590 Dollar fest, nach 1,1596 Dollar am Vortag. Die Umlaufrendite zog um 5 Basispunkte auf 3,32 Prozent an.
Deutsche Einzelaktien
Münchener Rück führte den DAX mit einem Plus von 1,1 Prozent an. Merck legte um 0,5 Prozent zu, wobei eine Hochstufung durch HSBC und ein zuversichtlicher Ausblick auf das Life-Science-Geschäft die Fantasie der Anleger befeuerten. Hannover Rück zog um 0,5 Prozent an, Branchendaten zu geringen Unwetterschäden deuteten auf niedrigere Belastungen durch Naturkatastrophen hin. Am unteren Ende der DAX-Liste lag SAP mit einem Minus von 3,5 Prozent, hier drückten Zinssorgen auf den zinssensiblen Softwarekonzern und den gesamten Technologiesektor. Der Rüstungskonzern Rheinmetall gab 2,8 Prozent nach, Siemens verlor 2,7 Prozent, belastet von Berichten über potenziell neue Wettbewerber im Gasturbinengeschäft und einem insgesamt schwachen Umfeld für europäische Aktien. Im MDAX setzte sich K+S mit einem Plus von 3 Prozent an die Spitze, gestützt von einer angehobenen Mittelfristprognose für den operativen Gewinn und freien Cashflow. Carl Zeiss Meditec verbesserte sich um 1,7 Prozent. Hugo Boss zog um 1 Prozent an, wobei die von Frasers angestrebte Stimmrechtsmehrheit Übernahmefantasie und Vertrauen in den strategischen Großaktionär auslöste. Am Ende der MDAX-Tabelle rangierte TKMS mit einem Minus von 5,5 Prozent, hier drückten ein breiter Sektor-Verkauf im Rüstungsbereich und die Sorge vor anhaltend höheren Zinsen auf den Kurs. Renk, der Antriebsspezialist für Militärfahrzeuge, sackte im Sog der Rüstungswerte um 5,2 Prozent ab. Jungheinrich verlor 3,6 Prozent.
USA:
Anhaltende Inflationssorgen haben die US-Leitindizes zu Wochenbeginn spürbar belastet und vor allem zinssensible Technologiewerte geschwächt. Steigende Ölpreise vor dem Hintergrund einer erneuten Zuspitzung der Lage im Nahen Osten nähren die Furcht vor anhaltend höherem Preisauftrieb und strafferer Geldpolitik. Parallel verunsichert der weitere Anstieg der weltweiten Anleiherenditen, weil festverzinsliche Papiere damit im Vergleich zu Aktien an Attraktivität gewinnen. Im Vorfeld des zum Wochenschluss anstehenden US-Arbeitsmarktberichts nimmt zudem die Sorge zu, dass unerwartet starke Job-Daten die Erwartungen an eine Zinserhöhung verstärken könnten. Innerhalb des Dow Jones gewann Apple nach positiven Signalen des neuen Konzernchefs zur Produktpipeline und zur anstehenden iPhone-Markteinführung deutlich an Wert. Am breiten Markt schossen Fervo Energy nach einer Stromliefervereinbarung mit der Alphabet-Tochter Google kräftig nach oben, während S&P Global von Spekulationen über eine mögliche Ausgliederung der Plattform Capital IQ Pro Rückenwind erhielt. Der Dow Jones schloss mit einem Abschlag von 419 Punkten oder 0,8 Prozent bei 52.767 Zählern. Der S&P 500 beendete den Handel 55 Punkte oder 0,7 Prozent tiefer bei 7.631 Zählern. Der Nasdaq 100 sank um 380 Punkte oder 1,3 Prozent und verabschiedete sich bei 29.077 Zählern aus dem Handel. Am Anleihenmarkt kletterte die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe um 4 Basispunkte auf 4,79 Prozent.
US-Einzelaktien
Apple führte den Dow Jones mit einem Plus von 2,6 Prozent an, gestützt von der Erwartung höherer KI-Investitionen und möglicher größerer Übernahmen unter dem neuen Konzernchef. Zudem legte der Technologiekonzern im Vorfeld des für den 9. September erwarteten Produktstarts zu, bei dem ein faltbares iPhone als neuer Wachstumstreiber gilt. Chevron gewann 2,4 Prozent, der Öl- und Gaskonzern profitierte von hohen Dieselpreisen, besseren Raffineriemargen und zusätzlichem Förderpotenzial in Venezuela. Johnson & Johnson zog um 2 Prozent an. Am Ende der Kursliste lag Sherwin-Williams mit einem Minus von 2,6 Prozent. The Home Depot gab 2,5 Prozent nach, während Caterpillar 2,3 Prozent verlor. An der Spitze des Nasdaq stand Regeneron Pharmaceuticals mit einem Plus von 3,1 Prozent. Gilead Sciences stieg um 2,5 Prozent. Am unteren Ende der Skala rangierte Axon Enterprise mit einem Minus von 8,5 Prozent. Cadence Design Systems verlor 7,6 Prozent. Crowdstrike gab 6,9 Prozent nach, wobei die Meldung zu einem überschrittenen Vertragsvolumen von 2 Milliarden Dollar und einer zunehmenden Standardisierung auf die Falcon-Plattform eine starke Nachfrage nach den Cybersicherheitslösungen des Unternehmens signalisiert. Im frühen Handel notieren die US-Aktienindex-Futures kaum verändert.



