So mancher Anleger hatte es fast vergessen: Auch Aktien wie Infineon und SpaceX können fallen und damit deutlich günstiger werden. Wer in den Urlaub fährt, ärgert sich womöglich über die verpasste Chance. Clevere Orderformen helfen.
Die Sommerwochen sind an der Börse berüchtigt: Bei geringen Umsätzen nehmen die Schwankungen an den Aktienmärkten oft zu, und nicht selten geht die Reise in den Süden. Wer dann gemütlich im Liegestuhl am Strand die Sonne genießt und nur selten einen Blick ins eigene Depot wirft, dem kann die Urlaubsstimmung schnell vergehen. Aktien wie Micron und SanDisk aus dem Chip-Sektor haben seit ihrem jüngsten Hoch in der Spitze bis zu 40 Prozent verloren. Mit der Berichtssaison droht nun ein weiterer Unsicherheitsfaktor, die Volatilität – hier in der Übersicht der UBS – dürfte wie so oft wieder zunehmen. Eine Orientierung über die aktuelle Marktstimmung bieten die Risk-Indikatoren der Börse München / Gettex...
Orderformen als wichtiges Instrument
Moderne Technik kann die Arbeit übernehmen, wenn man nicht ständig auf die Kurse schauen will. Mit modernen Orderformen wird festgelegt, wann man kaufen und wann Aktie wieder loswerden möchte. Im Gegensatz zu früher geschieht dies bequem in wenigen Minuten und zu günstigen Konditionen. Broker ziehen dabei stetig die Möglichkeiten nach. „Die Pro-Order ermöglicht, dass die Ausführung der einen Order die andere Order löscht“, so Thomas Soltau vom Smartbroker. Profis nennen dies auch one-cancels-other-order. Ganz praktisch ist die für aktive Anleger: „Vor wichtigen Terminen – Quartalszahlen, Zinsentscheid – erwartet der Anleger eine starke Bewegung, weiß aber nicht, in welche Richtung. Steigt der Kurs über seinen Stoppkurs, greift die Stopporder und die Limitorder verfällt. Fällt der Kurs auf oder unter sein Limit, wird die Limitorder ausgeführt und die Stopporder verschwindet“, so Soltau.
Alles in der App
Moderne Apps ermöglichen somit eine einfache Bedienung. Man sucht sich im Basismodus eine Aktie, zum Beispiel Nvidia, klickt sich durch die Angaben zu Limit und Gültigkeitsdauer der Order, gibt den maximalen Preis ein, den man zahlen möchte, und das war’s. Der am häufigsten verwendete Ordertyp, die Market Order, kann jedoch für unangenehme Überraschungen bereithalten und ist ein Plädoyer für die Limit Order. Hier wird billig gekauft und am besten verkauft, also zum nächstmöglichen Zeitpunkt und zum dann aktuellen Kurs. Der kann aber deutlich schlechter ausfallen als geplant. „Bestens ist oft schlechtestens“, fasst Franz-Georg Wenner von IndexRadar ein geflügeltes Wort unter Börsianern zusammen. Setzen Sie also ein Limit und Sie sind auf der sicheren Seite.
Nebenwerte brauchen noch mehr Pflege
Bei den hochliquiden Blue Chips sind die Risiken meist gering. Wer aber im Nebenwerte-Segment zum Beispiel bei SMA Solar, Hugo Boss oder Jenoptik als Beispiele aktiv ist, sollte genau hinschauen. Gerade hier ist es wichtig, Kauf- und Verkaufsorders mit Limits zu versehen. So wird beim Kauf ein selbst gesetzter Höchstpreis nicht überschritten und beim Verkauf ein Mindestpreis erreicht. Limit-Orders sind also das Gegenteil von Market-Orders. Größte Flexibilität ist auch hier gegeben: So kann der Limit-Kauf auch nachts eingegebenen werden und greift, sobald die Börsen geöffnet sind. Börse und Urlaub lassen sich also perfekt verbinden.
Der richtige Einstieg ist zwar wichtig, im Fokus sollte aber vor allem das Risiko stehen. Zu den wichtigen Börsenregeln zählt das Grundprinzip „Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen“. Gerade wenn sich Positionen gut entwickeln und weiter ins Plus laufen, bietet ein älterer Stoppkurs nur noch wenig Schutz. Kaum jemand hat aber Zeit, die Absicherungen aller Depotpositionen fortlaufend anzupassen. Daher gibt es ein sinnvolles Vehikel, dass Gewinne quasi sichert und wie ein Trendkanal nachzieht. „Mit dem Orderzusatz Trailing-Stop läuft der Stopp automatisch mit dem Aktienkurs nach oben“, so die Experten von gettex.
Man sieht also – auch in der Urlaubszeit lassen sich gut die Chancen an den Märkten nutzen, ohne ständig auf die Kurse zu schauen.