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Tradingideen

Sell in May – was ist wirklich dran?

Alle Jahre wieder meldet sich die Börsenweisheit: „Sell in May“. Meist wird dieser Rat serviert wie ein alkoholfreier Sommerwein – viel Dekoration, wenig Substanz. Zeit also, die Lyrik beiseitezulegen und die nackten Zahlen des DAX für den Zeitraum Mai bis Oktober sprechen zu lassen.

Die Münze hat eine statistische Schlagseite

Ein Blick auf die Daten seit dem Jahr 2000 zeigt: Die viel zitierte Sommerpause ist kein reines Märchen. Die Trefferquote für eine positive Kursentwicklung im Zeitraum Mai bis Oktober liegt bei lediglich 54 Prozent. Kaum besser als reines Münzwurf-Niveau.

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Während die durchschnittlichen Gewinne in positiven Sommerphasen bei rund 8 Prozent liegen, fallen die Verluste in schwachen Jahren mit durchschnittlich 14 Prozent deutlich stärker ins Gewicht. Dieses asymmetrische Renditeprofil führt unterm Strich zu einem negativen Durchschnittsergebnis von etwa minus 2 Prozent. Damit sind die ersten Eckdaten gesetzt – nun folgt der Blick in die Praxis.

Kapitalerhalt durch Abwesenheit?

Wer seit dem Jahr 2000 ausschließlich im Zeitraum Mai bis Oktober im DAX investiert war (blaue Linie), dürfte diese Strategie kaum langfristig durchgehalten haben. Aus einem Startkapital von 50.000 Euro wären heute nur noch rund 21.000 Euro übrig. Das entspricht einem jährlichen Wertverlust von gut 3 Prozent.

Zum Vergleich: Die klassische Buy-and-Hold-Strategie (rote Linie) hätte aus denselben 50.000 Euro rund 177.000 Euro gemacht – entsprechend einer durchschnittlichen Jahresrendite von knapp 5 Prozent.

Natürlich verzerren die Krisenjahre 2001, 2002 und 2011 das Bild deutlich nach unten. Doch selbst ab 2012 bleibt das Muster bestehen: Der DAX selbst erzielte rund 10 Prozent p. a., aus 50.000 Euro wurden etwa 200.000 Euro. Wer hingegen nur in den Sommermonaten investiert war, käme lediglich auf rund 55.000 Euro.

Das bedeutet nicht, dass jeder Mai zwangsläufig ein Risikoereignis einleitet. Vielmehr zeigt sich eine strukturelle Schwächephase im saisonalen Profil. Besonders im DAX ist die Sommerperiode statistisch deutlich weniger attraktiv als in vielen US-Indizes.

 

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