Der DAX ist am Donnerstag bei 25.498 Punkten in den Handel gestartet. Das war ein Abschlag von 147 Zählern gegenüber dem Schlussniveau vom Vortag. Auf seinen tiefsten Punkt fiel der deutsche Leitindex am Morgen auf 25.318 Zähler. Am frühen Nachmittag erreichte er ein Tageshoch bei 25.554 Indexpunkten. Den Handel beschloss der DAX bei 25.372 Punkten. Er lag damit 273 Zähler beziehungsweise 1,1 Prozent darunter.
Quartalsberichte großer US-Technologiekonzerne haben den deutschen Leitindex nach seinem Zwischenhoch zur Wochenmitte wieder spürbar unter Druck gebracht. Das Börsenbarometer schloss schwächer und fiel dabei erneut unter wichtige mittelfristige Trendmarken, während der MDAX noch deutlichere Einbußen hinnehmen musste. Papiere aus dem Technologiesektor standen vor dem Hintergrund unter Abgabedruck, dass jüngste Zahlen und Investitionspläne von Unternehmen wie Tesla, Meta, IBM und SAP das Vertrauen in das Wachstums- und Gewinnprofil der Branche nicht stützen. Ölpreise zogen nach einem Angriff auf ein Ölfeld in Saudi-Arabien und Berichten über mehrere attackierte Öltanker in der Region Straße von Hormus deutlich an und erhöhten damit die Verunsicherung an den Märkten. In der Eurozone hat sich das Verbrauchervertrauen im Oktober mit einem Rückgang des Konsumklima-Indikators auf minus 17,9 Punkte stärker als erwartet verschlechtert, während sich das französische Geschäftsklima mit einem Anstieg auf 97 Punkte leicht verbessert hat. Der MDAX schloss mit einem Minus von 565 Punkten bei 30.086 Zählern. Der EuroStoxx 50 ging 1,9 Prozent schwächer bei 6.087 Punkten aus dem Handel. Der Euro wird heute früh mit 1,1220 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs gestern auf 1,1205 Dollar fest, nach 1,1234 Dollar am vorherigen Handelstag. Die Umlaufrendite gab 1 Basispunkt auf 3,38 Prozent nach.
Deutsche Einzelaktien
An der Spitze des DAX lag SAP mit einem Plus von 3,2 Prozent, gestützt von deutlich besser als erwartet ausgefallenen Quartalszahlen und kräftigem Wachstum im Cloud-Geschäft. Scout24 legte um 3,2 Prozent zu. Die Aktien der Deutschen Börse, einem führenden Marktinfrastrukturbetreiber, verteuerten sich um 3 Prozent, getragen von soliden Ergebnissen und einer angehobenen Mittelfristprognose. Am unteren Ende fanden sich Siemens Energy mit einem Minus von 8,6 Prozent wieder, belastet von der weltweiten Schwäche bei Technologie- und KI-Titeln sowie neuen Inflations- und Zinsbefürchtungen im Zuge gestiegener Ölpreise. Der Chipkonzern Infineon verlor 6,1 Prozent, hier belasteten zunehmende Zweifel an der kurzfristigen Ertragskraft der hohen KI-Investitionen. MTU Aero Engines sackte um 4,2 Prozent ab. Im MDAX setzte sich Sartorius mit einem Kursanstieg von 4,8 Prozent an die Spitze, gestützt von besser als erwartet ausgefallenen Neunmonatszahlen mit steigenden Margen und einem besonders dynamischen Laborgeschäft. Aroundtown gewann 2,8 Prozent, hier sorgte der Einstieg über die Tochter Grand City Properties bei LEG mit Aussicht auf höhere FFO-Beiträge und einen bilanziellen Beteiligungsgewinn für zusätzliche Fantasie. Carl Zeiss Meditec zog um 2,6 Prozent an. Am Indexende stand Aixtron mit einem Minus von 9,8 Prozent, trotz zuvor positiver Branchensignale kam es hier zu deutlichen Gewinnmitnahmen. Der Kupferkonzern Aurubis büßte 6,4 Prozent ein, nachdem eine kritischere Studie von Deutsche Bank Research mit reduzierten Ergebnisprognosen und Hinweisen auf Anlaufprobleme im neuen US-Werk veröffentlicht worden war. FlatexDEGIRO verlor 6,2 Prozent, da der Broker im dritten Quartal die eigenen Analystenerwartungen leicht verfehlte, höhere Akquirierungskosten je Kunde auswies und damit Margensorgen verstärkte.
USA:
Gestiegene Ölpreise und Skepsis gegenüber den hohen Investitionen im Technologiesektor haben der Wall Street vor allem an der Nasdaq einen deutlichen Rückschlag beschert. Ein Drohnenangriff auf ein Ölfeld in Saudi-Arabien trieb die Notierungen am Ölmarkt weiter nach oben und schürte Inflations- und Zinsängste, was besonders zinssensible Technologie-Aktien belastete und den Nasdaq 100 auf den tiefsten Stand seit Mitte September drückte. Im Gegensatz dazu hielt sich der Dow Jones dank seiner geringeren Tech-Gewichtung nahezu stabil, während der S&P 500 merklich nachgab. Meta sorgte mit weiteren milliardenschweren Plänen zum Ausbau der KI-Infrastruktur trotz eines boomenden Werbegeschäfts für Verunsicherung und verlor nach den Quartalszahlen deutlich. Tesla geriet nach einem Gewinneinbruch und stagnierendem Umsatz unter Druck, obwohl eine verbesserte Barmittelsituation positiv hervorstach und Spekulationen über einen möglichen Zusammenschluss mit SpaceX am Vortag noch für Kursauftrieb gesorgt hatten. Im Technologiesektor brachen Lam-Research-Aktien nach Geschäftszahlen kräftig ein, während IBM nach seinem Quartalsbericht leicht im Plus schloss. Im Gesundheitssektor führten vorzeitig bekannt gewordene Studiendaten zu einem personalisierten Melanom-Impfstoff von Moderna und Merck & Co zu massiven Kursverlusten, während Procter & Gamble nach einem unerwartet starken Start ins neue Geschäftsjahr deutlich zulegte. Der Dow Jones notierte kaum verändert bei 52.868 Punkten. Der S&P 500 verlor 94 Punkte oder 1,2 Prozent und ging bei 7.663 Zählern aus dem Handel. Der Nasdaq 100 gab 864 Punkte oder 2,9 Prozent auf 28.959 nach. Am Rentenmarkt fiel die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe gestern um 17 Basispunkte auf 4,96 Prozent.
US-Einzelaktien
Procter & Gamble führte den Dow Jones mit einem Plus von 5,6 Prozent an, gestützt von besser als erwartet ausgefallenen Quartalszahlen mit hoher Profitabilität und kräftigem Umsatzwachstum in fast allen Sparten. Der Baumarktspezialist Home Depot zog um 4,3 Prozent an. Johnson & Johnson kletterte um 3,8 Prozent. Am Tabellenende stand Caterpillar mit einem Minus von 4,9 Prozent. Bei Amazon summierten sich Verluste von 4,6 Prozent, hier belasteten Berichte über kritische PHP‑Sicherheitslücken, bei denen der Cloudanbieter bereits Angriffe verzeichnete und Gegenmaßnahmen ergreifen muss. Der Chipkonzern Nvidia gab um 4,4 Prozent nach, maßgeblich wegen Sorgen um die Finanzierungs- und Nachfrageperspektiven des wichtigen Neocloud-Kunden CoreWeave, was Zweifel an der Bestellkraft einzelner Abnehmer aufkommen ließ. Im Nasdaq setzte sich Roper Technologies mit einem Plus von 9,7 Prozent an die Spitze, getragen von der Erwartung starker Quartalszahlen und eines freundlichen Ausblicks. Thomson Reuters verteuerte sich um 6,9 Prozent, CSX zog nach besser als erwartet ausgefallenen Q3-Zahlen um 6,8 Prozent an, hier sorgten höhere Volumina und Preise im Güterverkehr für deutliches Umsatzwachstum. Moderna sackte um 17,6 Prozent ab. Lam Research verlor 11,8 Prozent, wobei der verhaltene Ausblick mit anhaltenden Lieferkettenengpässen und schwächerer China-Nachfrage die Fantasie der Anleger dämpfte. Lumentum büßte 11,5 Prozent ein und gehörte damit ebenfalls zu den größten Verlierern im Nasdaq. Im frühen Handel notieren die US-Aktienindex-Futures kaum verändert.



