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VW und Mercedes mit Funken Hoffnung

Lediglich neun von vierzig DAX-Aktien haben 2026 ein neues Rekordhoch geschafft. Immerhin steigen die Wachstumsprognosen der Konjunkturforscher.

Gefühlt ist die Stimmung an den Märkten deutlich schlechter, als es die großen Indizes vermuten lassen. EuroStoxx 50 und DAX haben erst im August ihre Hochs erreicht und seitdem leicht korrigiert, beim Nasdaq 100 wurde jüngst ein neues Rekordhoch verzeichnet. Nicht übel für den landläufig als Krisenmonat verrufenen September. Ein Blick unter die Oberfläche zeigt jedoch, dass die Korrektur bei vielen Einzelwerten bereits deutlich weiter fortgeschritten ist. Das muss allerdings nicht zwangsläufig ein schlechtes Zeichen sein.

DAX auf wenigen Beinen

Auch beim Blick auf den DAX kann man derzeit leicht einer optischen Täuschung erliegen. Der Leitindex hat zuletzt rund fünf Prozent korrigiert und damit eine für den Spätsommer durchaus normale Konsolidierung gezeigt. Die 40 Einzelwerte erzählen allerdings eine deutlich schwächere Geschichte. „Im Durchschnitt liegen die Aktien rund 18 Prozent unter ihren jeweiligen Jahreshochs“, erklärt Andreas Lipkow von CMC Markets. Für die mittelfristige Einschätzung ist jedoch ein anderer Wert entscheidender: Immerhin die Hälfte der DAX-Aktien behauptet ihre sogenannte 200-Tage-Linie. Bei einem großen Teil des Marktes ist der langfristige Aufwärtstrend damit weiterhin intakt.

Genau diese Kombination ist für die aktuelle Einordnung wichtig. Kurzfristig hat die Korrektur bereits viele Aktien erfasst, während die langfristige Trendstruktur noch vergleichsweise stabil ist. Der Markt hat also bereits viel Schwäche verarbeitet, ohne dass der übergeordnete Aufwärtstrend flächendeckend beschädigt wurde.

Wenn Schwäche zur Chance wird

Ein Blick in die Vergangenheit liefert dafür interessante Parallelen. „Ähnliche Niveaus bei der Marktbreite oberhalb der 200-Tage-Linie wurden bereits im August 2024, im Frühjahr 2025 während des Zoll-Crashs und nach den geopolitischen Verwerfungen zwischen den USA und dem Iran im Frühjahr dieses Jahres erreicht“, so Andreas Lipkow. In allen drei Phasen erwies sich die Schwäche beim DAX im Nachhinein als attraktive Einstiegsgelegenheit.

Das bedeutet nicht, dass sich die Geschichte wiederholt oder der Tiefpunkt heute bereits feststeht. Es zeigt aber, dass eine deutlich reduzierte Marktbreite innerhalb eines intakten langfristigen Trends nicht automatisch ein Verkaufssignal ist. Im Gegenteil: Wenn viele Aktien kurzfristig korrigieren, während ihre langfristigen Trends überwiegend intakt bleiben, kann daraus ein interessantes Chance-Risiko-Verhältnis für antizyklische Käufe entstehen.

Auch der Blick auf die vergangenen Rekordstände sollte deshalb nicht nur pessimistisch ausfallen. „Nur neun der 40 DAX-Mitglieder haben 2026 bislang ein neues Rekordhoch erreicht. Bei einigen Konzernen liegt die historische Bestmarke sogar weit zurück. Mercedes-Benz notiert beispielsweise noch immer unter dem Rekordhoch aus dem Jahr 1998“, so Lars Reichel von der Börse München. Der DAX wird damit keineswegs von einer breit angelegten Hausse getragen. Genau darin liegt aber auch Potenzial. Sollte sich die zuletzt schwache Gruppe stabilisieren und wieder in den Aufwärtstrend zurückfinden, würde sich die Marktbreite verbessern und der DAX auf eine breitere Basis stellen. Eine solche Rotation ist an den US-Börsen seit Monaten zu beobachten: Einzelne Branchen korrigieren, während andere die Führung übernehmen. Das Kapital bleibt aber im Markt und wandert dorthin, wo sich neue Chancen eröffnen. Für einen übergeordneten Aufwärtstrend ist eine solche Rotation sogar gesund.

Schwergewichte halten den DAX stabil

Dass der DAX deutlich stabiler wirkt als viele seiner Einzelwerte, liegt vor allem an seiner Zusammensetzung. Schwergewichtete Aktien haben einen größeren Einfluss auf den Index als kleinere Mitglieder. „Die Allianz kommt trotz jüngster Kursschwäche auf rund neun Prozent Indexgewicht. Deutsche Bank, BASF und Deutsche Börse gehören ebenfalls zu den stabilisierenden Werten mit größerem Einfluss und werden bei deutschen Anlegern nach wie vor rege gehandelt“, so Thomas Soltau vom Smartbroker.

Wie schnell sich die Führungsrolle innerhalb des Index verschieben kann, zeigen Siemens und Siemens Energy. „Beide Werte gehörten im Frühjahr zu den stärkeren Titeln, haben zuletzt aber korrigiert. Im Gegenzug legte SAP im Sommer um rund 50 Prozent zu und wurde damit zu einem wesentlichen Treiber für den DAX“, so Experte Reichel. Diese Wechsel sind für die Gesamtentwicklung des DAX ein wichtiger Faktor. Entscheidend ist, ob sich immer wieder neue Aktien finden, die diese Rolle übernehmen.

Unterm Strich ist die aktuelle Marktbreite weniger ein Grund zur Sorge als ein Hinweis darauf, wie weit die Korrektur inzwischen fortgeschritten ist. Viele Aktien sind kurzfristig bereits deutlich zurückgekommen, gleichzeitig behauptet die Hälfte der DAX-Mitglieder weiterhin ihre 200-Tage-Linie. Das spricht gegen eine flächendeckende Trendwende nach unten und eröffnet Spielraum für eine Erholung der Marktbreite.

Selbst wenn der September seinem Ruf als saisonal schwieriger Börsenmonat noch gerecht werden sollte, steht der Markt damit auf einem stabileren Fundament, als es der kurzfristige Blick vermuten lässt. Seit 1988 verlor der DAX im September durchschnittlich rund sechs Prozent, in etwa 40 Prozent der Jahre fiel der Monat negativ aus. Hielt der Index Ende August – wie in diesem Jahr – jedoch seine 200-Tage-Linie, fiel der durchschnittliche September-Rückgang mit gut drei Prozent nur halb so stark aus. Ein intakter mittelfristiger Trend zum Monatsbeginn reduziert damit statistisch das Korrekturrisiko bis Oktober. Oder, etwas weniger wissenschaftlich: The trend is your friend.

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