Die neue Handelswoche steht ganz im Zeichen der Zins- und Inflationsfrage, eingebettet in eine fragile Gemengelage aus Iran-Krieg, hohen Energiepreisen und innenpolitischer Unsicherheit in Deutschland.

Der DAX hat sich zwar wieder oberhalb einer wichtigen psychologischen Marke etabliert, doch der übergeordnete Trend war zuletzt seitwärts gerichtet. Auf der Zinsseite gilt eine weitere Straffung durch die EZB im laufenden Zyklus weitgehend als gesetzt, der eigentliche Streitpunkt ist die Perspektive darüber hinaus: Während die solide Datenlage in Europa zusätzlichen Spielraum für weitere Schritte eröffnet, wächst zugleich die Sorge, dass zu viel Straffung die zarte konjunkturelle Erholung abwürgen könnte. In den USA verschiebt sich der Blick zunehmend von Arbeitsmarktdaten hin zu den anstehenden Inflationszahlen, die als entscheidender Wegweiser für den nächsten Fed-Beschluss gelten und die Renditen bereits spürbar in Bewegung gebracht haben.

Aus deutscher Sicht gibt zum Wochenstart die Juli-Industrieproduktion am Montag den Ton an, flankiert von den Sentix-Konjunkturerwartungen, die ein Stimmungsbild der Investoren zur weiteren Entwicklung der Euro-Wirtschaft liefern. Ergänzend werden am Vormittag für den Währungsraum die dritte Veröffentlichung des BIP für das zweite Quartal sowie Daten zu Staatsausgaben und Beschäftigung gemeldet, die vor allem der Einordnung des bisherigen Aufschwungs dienen. Am Dienstag folgen mit der deutschen Handelsbilanz und den französischen Außenhandelszahlen weitere Puzzleteile zur Exportlage des Kontinents. Entscheidender dürfte der Donnerstag werden: Die endgültigen deutschen Verbraucherpreise für August schärfen das Bild der Teuerung, unmittelbar bevor die EZB am frühen Nachmittag über ihren Leitzins entscheidet und auf der anschließenden Pressekonferenz ihre Sicht auf Wachstum, Inflation und den weiteren Kurs erläutert.

Deutsche Einzelaktien

Unternehmensseitig bleibt es in Deutschland ruhig, dennoch liefern einige europäische Adressen Orientierung. Den Auftakt macht am Montag Hannover Rück mit einer Pressekonferenz zum Rückversicherungstreffen in Monte Carlo, wo traditionell Konditionen und Preistrends für das kommende Vertragsjahr ausgelotet werden. Am Dienstag stellen in der Schweiz Oerlikon und Sandoz auf ihren Kapitalmarkttagen strategische Weichen, etwa bei Technologie- und Gesundheitsthemen, während Logitech seine Aktionäre auf der Hauptversammlung versammelt. Zur Wochenmitte öffnet Inditex mit Halbjahreszahlen das Schaufenster in den europäischen Modehandel, begleitet von der Richemont-Hauptversammlung, die Luxusgüterthemen adressiert. Am Donnerstag folgen mit Associated British Foods ein Update aus Konsum und Nahrungsmitteln sowie Hauptversammlungen von Ryanair und Intesa Sanpaolo, die Einblicke in Luftfahrt- und Bankensektor geben. Zum Ausklang der Woche meldet Fraport am Freitag seine Verkehrszahlen für August und liefert damit ein aktuelles Stimmungsbarometer für den Luftverkehrs- und Reisesektor in Europa.

USA:

Jenseits des Atlantiks verschiebt sich das Augenmerk vom Arbeitsmarkt schrittweise hin zur Inflationsdynamik, die für die nächste Fed-Entscheidung maßgeblich sein dürfte. Noch eher verhalten beginnt die Woche am Dienstag mit den Konsumentenkrediten für Juli, die Hinweise auf die Finanzierungsbereitschaft der privaten Haushalte geben. Einen ersten Belastungstest für die Zinsfantasie bringt der Donnerstag: Dann treffen die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, die Erzeugerpreise für August, Daten zum Wiederverkauf bestehender Häuser sowie Kennziffern zu Großhandelslagern und -umsätzen zusammen. Sie zeichnen ein breites Bild von Arbeitsmarkt, Preisdruck und Güterströmen. Zusätzlich liefert der EIA-Ölbericht am Abend neue Informationen zu Angebot und Nachfrage am Energiemarkt – in der aktuellen geopolitischen Lage ein sensibler Faktor für Inflationserwartungen. Den Höhepunkt markiert am Freitag der Verbraucherpreisindex für August, ergänzt um die Realeinkommen und das vorläufige Verbrauchervertrauen der Universität Michigan, womit sowohl Preisniveau als auch Kaufkraft und Stimmung der US-Haushalte auf den Prüfstand kommen.

US-Einzelaktien

Unter den US-Unternehmen bestimmen in dieser Woche vor allem zwei Termine die Schlagzeilen. Bereits am Dienstag lädt Nike zur Hauptversammlung, bei der strategische Themen wie Margenentwicklung, Lagersteuerung und die Bedeutung des Direktvertriebs für die Sportartikelbranche im Vordergrund stehen dürften. Am Mittwochabend folgt das Special Event von Apple, traditionell Bühne für neue Hardware-Generationen und Dienste, deren Preispunkte und Produktzyklen nicht nur für den Konzern selbst, sondern auch für zahlreiche Zulieferer und App-Ökosysteme wichtig sind. Zum Ende der Woche richtet sich der Blick dann auf die Berichtssaison im Einzelhandel und Tech-Sektor: Adobe legt am Donnerstag nach US-Börsenschluss seine Zahlen für das dritte Quartal vor und gibt damit ein Update zur Nachfrage nach Kreativ- und Cloud-Software, während Macy’s ohne genaue Uhrzeit Ergebnisse zum zweiten Quartal meldet und damit einen weiteren Indikator zur Kauflaune der US-Verbraucher liefert. Im frühen Handel notieren die US-Aktienindex-Futures kaum verändert.

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