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Trump hält Bitcoin nicht auf

2027 war nun wirklich nicht das Jahr des Bitcoin. Doch seit Wochen verbessert sich das Momentum. Daran ändert auch die Politik nichts.

Eigentlich sollte der 15. September den Durchbruch für den Kryptomarkt in den USA bringen. Der Antrag zur weiteren Beratung des Clarity Act scheiterte jedoch, sodass das Gesetz zwar nicht endgültig vom Tisch ist, eine Verabschiedung in diesem Jahr angesichts des engen Zeitplans und der bevorstehenden Zwischenwahlen aber schwieriger wird. Washington war zuvor sogar noch auf die Kritiker zugegangen. Donald Trump stimmte einem großen Teil eines parteiübergreifenden Vorschlags für strengere Ethikregeln zu. Unter anderem sollten hochrangige Regierungsvertreter während ihrer Amtszeit keine digitalen Vermögenswerte herausgeben oder unterstützen dürfen. Auch eine Durchsetzung der Regeln durch die Generalstaatsanwälte der Bundesstaaten war vorgesehen.

Unsicherheit stört nur kurz

Für Anleger ist vor allem der Kern des Gesetzes relevant. Der Clarity Act soll klare Zuständigkeiten für digitale Vermögenswerte schaffen und damit die Abgrenzung zwischen der Securities and Exchange Commission (SEC) und der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) regeln. Genau diese Zuständigkeiten sorgen bislang immer wieder für Unsicherheit bei Unternehmen und Investoren. Der gescheiterte Vorstoß verlängert diese Phase der regulatorischen Unklarheit und sorgte kurzzeitig für einen Rückgang beim Bitcoin. „Die Unsicherheit verführte einige Anleger dazu, Short-Positionen neu einzugehen“, so Andreas Lipkow von CMC Markets.

Eine dauerhafte gesetzliche Regelung würde Unternehmen und Investoren mehr Planungssicherheit geben. Gleichzeitig arbeiten SEC und CFTC bereits innerhalb ihrer bestehenden Kompetenzen an Vorgaben für digitale Vermögenswerte. Diese Maßnahmen können die Lücke teilweise schließen, ersetzen aber keinen umfassenden gesetzlichen Rahmen. Für den Clarity Act wird die Zeit bis zum Ende der laufenden Kongressperiode nun eng. Scheitert eine Einigung, liegt der Ball ab Januar beim neu zusammengesetzten Kongress und ein neuer Anlauf hängt dann auch von den Mehrheiten nach den Zwischenwahlen ab.

Rückgang von kurzer Dauer

Der Bitcoin reagierte nach der Abstimmung zwar mit einem Rückgang, der negative Einfluss des Gesetzes auf die Kryptowährung fiel jedoch kleiner aus als es die Schlagzeilen vermuten lassen. Das Bitcoin-Netzwerk funktioniert unabhängig von der US-Gesetzgebung. Für den Kurs bleiben vor allem Liquidität, Zinsen, ETF-Zuflüsse und die allgemeine Risikobereitschaft an den Finanzmärkten entscheidend. Das zeigt auch der Blick auf die vergangenen Wochen. Mitte August sprang der Bitcoin innerhalb weniger Tage um mehr als 20 Prozent in die Höhe und hatte zeitweise die Marke von 80.000 Dollar überschritten. Der Anstieg wurde von einem kräftigen Short-Squeeze verstärkt. Anleger, die auf weiter fallende Kurse gesetzt hatten, mussten ihre gehebelten Positionen schließen und verstärkten damit die Aufwärtsbewegung. Seitdem konnte Bitcoin das erhöhte Niveau halten und am 21.September sogar die Marke von 85.000 US-Dollar überwinden was nicht weniger war als ein 9-Monats-Hoch. Manish Kabra, Chief US Equity Strategist von der Societe Generale wies schon im August darauf hin, dass Bitcoin genauso wie Gold deutlich an Momentum gewinnen konnte.

Widerstandszone erreicht

„Um 85.000 US-Dollar wurden seit Ende 2025 große Bestände aufgebaut“, so Franz-Georg Wenner von IndexRadar. Mehrere Erholungsversuche in diesen Bereich scheiterten, weil Anleger die Erholung auf Einstand zum Ausstieg nutzten. „Ein nachhaltiger Ausbruch über diese Zone würde aus Sicht technischer Analysten das Bild verbessern und wäre ein wichtiges Signal für die Bodenbildung. Auf der Unterseite bleibt der Bereich um 60.000 bis 65.000 Dollar relevant, da hier viele kurzfristige Anleger gekauft haben“, so Analyst Wenner.

Allmählich liefert auch das Halving-Muster wieder Rückenwind. Ausgangspunkt für die aktuelle Zählung ist das vierte Halving im April 2024. Historisch folgen auf eine etwa anderthalb Jahre dauernde Phase steigender Kurse häufig ausgeprägte Korrekturen, bevor sich ein neuer Zyklus aufbaut. Die anschließende Konsolidierungsphase erstreckt sich dabei meist über rund 13 Monate und würde im aktuellen Zyklus zu Beginn des vierten Quartals enden. Bleibt dieses Muster bestehen, könnte Bitcoin bis zum nächsten Halving, das voraussichtlich im April 2028 stattfindet, wieder in eine längere Aufwärtsphase übergehen. Der Zyklus sollte aber nur bei der Einordnung helfen und nicht als Fahrplan für den nächsten Bitcoin-Anstieg verstanden werden.

Interessant ist zudem die Debasement-These. Während der jüngsten Bitcoin-Rally stiegen auch die Sorgen über die US-Staatsverschuldung und die langfristigen Anleiherenditen. Zuletzt zeigte der Bitcoin sogar relative Stärke gegen Gold und andere Edelmetalle. An diesen Trend hingen sich spekulative Anleger mit klassischen Hebelzertifikaten wie jenen von CMC Markets an und auch Kryptos wie Ripple, Solana oder Ethereum wurden mit nach oben gezogen. „Für den Kurs von Bitcoin bis Solana zählt auch, wie viel Liquidität tatsächlich in risikoreiche Anlagen fließt und wie hoch die Bereitschaft der Anleger ist, entsprechende Schwankungen auszuhalten und diese Parameter haben sich zuletzt verbessert“, so Experte Wenner.

Unter dem Strich ist die gescheiterte Senatsabstimmung vor allem ein Rückschlag für die regulatorische Planungssicherheit. Für den Bitcoin-Kurs selbst bleibt sie dagegen nur ein Faktor unter vielen. Mindestens ebenso wichtig sind die technischen Marken, das Halving-Muster, die Zinsentwicklung, ETF-Zuflüsse und vor allem die allgemeine Risikobereitschaft an den Märkten.

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