Die Agenda in den USA ist in dieser Woche prall gefüllt. Neben dem Start der Berichtssaison richten Anleger ihre Aufmerksamkeit vor allem auf die Einzelhandelsumsätze und die Inflationsdaten.
Steigende Energiekosten haben die Inflation zuletzt befeuert und erhöhen zugleich den Druck auf die Notenbanken, an einer restriktiven Zinspolitik festzuhalten, was die Haushalte zusätzlich belastet.Besonders die anstehenden US-Inflationsdaten gelten als Gradmesser dafür, ob die Erwartung einer weiteren Zinserhöhung Bestand hat. Parallel dazu dürfte die neue Quartalssaison der großen US-Banken zeigen, ob höhere Zinsen noch Rückenwind für die Nettozinserträge liefern oder bereits auf die Kreditnachfrage durchschlagen.
Aus europäischer Sicht verläuft die Woche datenarm. Am Mittwoch werden in Deutschland die Großhandelspreise sowie die Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte veröffentlicht, die zwar eher zweite Reihe sind, aber im Detail erkennbare Kostentrends entlang der Wertschöpfungskette offenlegen. Etwas relevanter wird es am Donnerstag, wenn die Industrieproduktion der Währungsunion für August Auskunft darüber gibt, ob die industrielle Talsohle näher rückt oder sich weiter hinzieht. Zum Wochenausklang runden am Freitag deutsche Baugenehmigungen, die Handelsbilanz der Eurostaaten und die zweite Veröffentlichung der Verbraucherpreise für den gemeinsamen Währungsraum das ökonomische Bild ab.
Deutsche Einzelaktien
Unternehmensseitig liefern vor allem deutsche und europäische Industrie- und Konsumtitel frische Einblicke. Bereits am Montag meldet Nordex seinen Auftragseingang für das dritte Quartal, was angesichts der Diskussion um den Ausbau erneuerbarer Energien ein Stimmungsbarometer für das Projektgeschäft der Windbranche darstellt; am selben Tag legt Volkswagen die weltweiten Auslieferungen für das dritte Quartal vor und gibt damit späte Hinweise zur Nachfrage im Automobilsektor. Ergänzt wird der Auto-Komplex durch einen Pre-Close-Call von Porsche, der Investoren eine letzte Einordnung vor der offiziellen Berichtssaison ermöglicht. LVMH berichtet am Montag über den Umsatz des dritten Quartals und liefert damit eine wichtige Referenz für die Luxusgüterindustrie, während L’Oréal mit einer außerordentlichen Hauptversammlung eher governancegetriebene Themen adressiert. Zur Wochenmitte folgen die Quartalszahlen von ASML, die als Schlüsselzulieferer der Chipindustrie weit über den Technologiesektor hinaus Beachtung finden, sowie ein Pre-Close-Call von Airbus, der Hinweise zur Auslastung der zivilen Luftfahrtprogramme geben dürfte.
USA:
Jenseits des Atlantiks dreht sich die Woche klar um das Inflations- und Zinsnarrativ. Den ersten Arbeitsmarktakzent setzt am Dienstag der ADP-Bericht zur Beschäftigung im Privatsektor, flankiert von den Wiederverkäufen bestehender Häuser, die als Indikator für die Zinsbelastung im Immobilienmarkt gelten. Am Mittwoch folgt mit den Verbraucherpreisen für September der zentrale Test für die Erwartung weiterer Zinsschritte; parallel dazu werden die durchschnittlichen Stundenlöhne veröffentlicht, die den Lohndruck im Arbeitsmarkt abbilden, und am Abend liefert das Beige Book der Fed eine qualitative Bestandsaufnahme der regionalen Konjunktur. Der Donnerstag bringt mit Einzelhandelsumsätzen, Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe, Produzentenpreisen sowie dem Philadelphia-Fed-Index ein dichtes Paket, das Konsumkraft, Preisdruck auf Unternehmensebene und industrielles Sentiment zusammenführt, ergänzt durch Lagerbestände und den wöchentlichen Ölbericht der EIA. Abgeschlossen wird die Woche am Freitag mit den Export- und Importpreisen sowie den Zahlen zur Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung, die zeigen, wie stark die US-Industrie im aktuellen Zinsumfeld tatsächlich arbeitet.
US-Einzelaktien
Bei den US-Unternehmen markiert die Woche den eigentlichen Auftakt der Quartalsberichtssaison, angeführt von den Großbanken. Am Dienstag öffnen zunächst UnitedHealth und Johnson & Johnson mit ihren Zahlen das Fenster in den Gesundheitssektor, bevor mit JPMorgan, Wells Fargo und Goldman Sachs gleich drei Schwergewichte der Wall Street ihre Quartalsberichte vorlegen und damit einen ersten Härtetest für Ertragslage, Risikovorsorge und Kreditqualität im Bankensystem liefern. Am selben Tag hält Procter & Gamble seine Hauptversammlung ab, wo vor allem strategische Weichenstellungen im Konsumgütergeschäft interessieren. Zur Wochenmitte berichten am Mittwoch BlackRock, Bank of America, State Street und Morgan Stanley, womit Vermögensverwaltung, Investmentbanking und das Depotbankgeschäft in kurzer Folge beleuchtet werden. Am Donnerstag folgen mit Bank of New York Mellon und Abbott Laboratories weitere Einblicke in Finanzinfrastruktur und Medizintechnik, ehe am späten Abend Alcoa und United Airlines mit ihren Zahlen die Stimmung in zyklischen Branchen wie Aluminium und Luftverkehr prägen. Den Ausklang bildet am Freitag Travelers mit seinem Quartalsbericht, der als Gradmesser für Schadenaufkommen und Preisniveau im US-Sachversicherungsmarkt gilt.



