Die deutschen Aktienmärkte haben sich in der vergangenen Woche überwiegend positiv entwickelt und sich damit deutlich von anderen internationalen Aktienbörsen abgegrenzt. Grund dafür waren unter anderem gute Konjunkturdaten und die vergleichsweise konservative Ausrichtung der meisten deutschen Aktientitel. Wir stellen den Marktbericht der Börse München vor…
Rückblick: Dax behauptet sich
Dadurch schlug der anhaltende Kursverfall bei etlichen internationalen KI- und High-Tech-Werten nur wenig auf die deutschen Börsen durch, auch wenn dieser zumindest zum Wochenende hin auch hierzulande für einen Dämpfer sorgte. Belastet wurden die Kurse zudem von anhaltend hohen Ölpreisen und von der Angst, dass der Krieg zwischen den USA und dem Iran wieder aufflammen könnte.
Insgesamt gewann der Deutsche Aktienindex (Dax) im Wochenvergleich 2,5 Prozent auf 25.818,21 Punkte. Der MDax verbesserte sich um 2,0 Prozent auf 30.472,32 Zähler, und der TecDax kam um 1,7 Prozent auf 4.091,22 Punkte voran. Der m:access All Share rutschte dagegen in die Verlustzone. Er gab 0,5 Prozent auf 897,15 Zähler ab.
Positive Quartalsberichte sorgen für Kursgewinne
Zu den großen Gewinnern im Dax zählten Deutsche Bank. Die Papiere profitierten von einem starken Quartalsbericht des Geldhauses und verbesserten sich um 8,8 Prozent. Bei Adidas honorierten die Anleger den Zwischenbericht mit einem Kursplus von 6,3 Prozent und bei BASF errechnete sich ein Wochenplus von 2,1 Prozent. Die Aktien von Airbus (-0,5 Prozent), Mercedes-Benz (-0,5 Prozent) und Volkswagen (+0,5 Prozent) bewegten sich dagegen nach den Quartalszahlen nur vergleichsweise wenig.
Mit Abstand größter Gewinner im Dax waren Bayer mit einem Wochenplus von 14,9 Prozent. Dies war unter anderem auf gute Nachrichten zu einem Schlaganfall-Medikament, auf positive Analystenkommentare und auch darauf zurückzuführen, dass der Konzern ein weiteres Glyphosat-Verfahren in den USA gewonnen hat.
Auf der anderen Seite der Dax-Gewinner-und-Verlierer-Liste standen die Papiere von Symrise. Sie gaben um 8,3 Prozent nach. Analysten begründeten dies mit dem jüngsten Quartalsbericht und vor allem auch den Geschäftsausblick des Konzerns.

Anleihen: Tendenz uneinheitlich
Die Kurse an den deutschen Anleihemärkten haben in der vergangenen Woche uneinheitlich tendiert. Gestützt wurden die Notierungen unter anderem von besser als erwartet ausgefallenen Inflationszahlen und der Tatsache, dass sich die Sorgen um die finanzielle Stabilität Frankreichs etwas verringert haben, nachdem Moody’s das Aa3-Rating für das Land bestätigt hat. Die Tatsache, dass die EZB die Leitzinsen wie allgemein erwartet nicht erhöht hat, beeinflusste die Notierungen dagegen kaum. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe wurde im späten Geschäft am Freitag mit 3,31 Prozent berechnet und damit um 3 Hundertstel niedriger als eine Woche zuvor. Die Umlaufrendite kletterte dagegen im Wochenvergleich um 2 Basispunkte auf 3,33 Prozent.
USA: KI-Werte schwächeln
Im Gegensatz zu den deutschen Aktienmärkten haben die US-Aktienbörsen in der vergangenen Woche schwächer tendiert. Dies war vor allem auf eine negative Entwicklung bei vielen KI- und High-Tech-Werten zurückzuführen, nachdem deren Ergebnisse und Ausblicke im Rahmen der laufenden Quartalsberichtssaison enttäuschend ausgefallen waren und die Frage, ob sich die extrem hohen KI-Investment jemals rentieren werden, noch stärker als zuletzt in den Vordergrund rückte. So stürzte beispielsweise der Kurs der Google-Mutter Alphabet im Wochenvergleich um 12,1 Prozent ab. Amazon verloren 3,1 Prozent, und Intel kamen mit einem Minus von 25,3 Prozent extrem unter die Räder. SanDisk gaben trotz guter Quartalszahlen 7,1 Prozent ab. Microsoft konnten dagegen gegen den Trend minimal um 0,1 Prozent zulegen. Der tech-lastige Nasdaq-Composite-Index verlor im Wochenvergleich 2,0 Prozent auf 25.437,00 Punkte. Der marktbreite S&P-500-Index gab 0,6 Prozent auf 7.580,07 Zähler ab. Und beim Dow-Jones-Index errechnete sich ein Wochenminus von 0,4 Prozent. Er wurde zum Handelsschluss am Freitag mit 51.770,31 Punkten berechnet.
Ausblick: Datenflut sieben
Wie schon in der Vorwoche geht es für die Aktionäre auch in den kommenden Tagen darum, aus einer Flut neuer Daten die relevanten auszuwählen. Dabei ist der für die Märkte voraussichtlich wichtigste Termin tatsächlich eine Wahl – die Zwischenwahl zum US-Kongress. Sie findet am Dienstag statt. Belastbare Ergebnisse werden damit am Mittwochvormittag deutscher Zeit vorliegen. Eine zentrale Frage dabei ist, ob es den oppositionellen Demokraten gelingt, beiden Kongresskammern zurückzuerobern und US-Präsident Donald Trump damit für die letzten zwei Jahre seiner Amtszeit zur Lame Duck zu machen. Zusätzlich steht aber auch im Raum, ob Trump ein mögliches negatives Wahlergebnis überhaupt anerkennen wird. In einem sind sich die Beobachter dabei jetzt schon einig: Nur ein wirklich klares Ergebnis wird für eine gewisse Ruhe an den Märkten sorgen.
Neue Kriegsfurcht
Gleichzeitig befürchten aber nicht Wenige, dass der Krieg zwischen den USA und dem Iran unmittelbar nach den Zwischenwahlen wieder aufflammen wird. Und das wäre nach allgemeiner Auffassung Gift für die Börsen.
Quartalssaison mit weiteren KI-Firmen
Weiteres zentrales Thema ist die laufende Quartalsberichtssaison. International betrachtet dürften hier vor allem wieder High-Tech- und KI-Unternehmen im Blick stehen – und damit die Frage, ob sich die Absetzbewegung der Anleger aus diesem Segment fortsetzen wird. Das wichtigste Unternehmen, das in diesem Zusammenhang in dieser Woche seine Zahlen veröffentlicht, ist Apple. Bereits am heutigen Montag nach US-Börsenschluss öffnet der Konzern seine Bücher. Zur gleichen Zeit legt auch Palantir sein Quartalsergebniss vor. Am Dienstag folgen unter anderem AMD und Super Micro, am Mittwoch ARM, Uber und Qualcomm und am Donnerstag Airbnb.
Auch in Deutschland geht es im Rahmen der Quartalsberichtssaison Schlag auf Schlag weiter. Zentral ist dabei der Donnerstag, wenn mit der Commerzbank, der Deutschen Telekom, DHL, Siemens Healthineers und Rheinmetall gleich fünf Dax-Konzerne ihre Zahlen veröffentlichen. Bereits am Dienstag sind zudem Bayer und Zalando an der Reihe, und am Mittwoch folgt BMW .
Ein Potpourri aus Konjunkturdaten
Abgerundet wird das alles durch ein Potpourri aus Konjunkturdaten. Für die weitere Zinsentwicklung in den USA mit am wichtigsten sind dabei die neuesten Arbeitsmarktzahlen. Hier stehen ab der Wochenmitte verschiedene Kennzahlen zur Veröffentlichung an. Für Deutschland besonders relevant dürften wiederum die neuesten Einzelhandelszahlen an diesem Montag sein sowie die Eurozone-Inflationsdaten. Sie werden am Mittwoch veröffentlicht.
Ausgewählte wichtige Termine der Woche
- Montag, 2.11.: Einzelhandelsumsätze Deutschland; HCOB Einkaufsmanagerindex verarbeitendes Gewerbe Deutschland; ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in den USA; ISM-Beschäftigungsindex für das verarbeitende Gewerbe in den USA.
- Dienstag, 3.11: Auftragseingänge der US-Industrie; Zwischenwahlen in den USA.
- Mittwoch, 4.11: RatingDog Einkaufsmanagerindex für Dienstleistungen in China; HCOB-Einkaufmanagerindex Dienstleistungen und Gesamtindex für Deutschland und die Eurozone; Verbraucherpreisindex für die Eurozone; ADP Beschäftigungsänderung USA; ISM-Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen USA; ISM-Beschäftigungsindex für das nichtproduzierende Gewerbe in den USA.
- Donnerstag, 5.11: Entwicklung der Werkaufträge in Deutschland; Challenger Stellenabbau USA; Erstanträge Arbeitslosenunterstützung USA; Entwicklung der Arbeitsproduktivität außerhalb der Landwirtschaft in den USA.
- Freitag, 6.11: Industrieproduktion Deutschland; Einzelhandelsumsätze Eurozone; Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft in den USA; Entwicklung der durchschnittlichen Stundenlöhne in den USA; Uni Michigan Verbraucher-Stimmungsindex.