Die neue Börsenwoche steht ganz im Zeichen der bevorstehenden US-Kongresswahlen (Midterms), der Veröffentlichung des US-Bruttoinlandsprodukts (BIP) sowie einer Vielzahl von Quartalsberichten dies- und jenseits des Atlantiks.

Die US-Midterms werden als möglicher Wendepunkt für die bisherige Börsenentwicklung gesehen. Entscheidend ist weniger die parteipolitische Farbe in Washington als die Frage, ob der Urnengang die ohnehin fragile geopolitische Lage rund um den Iran verschärft und damit den Ölpreis erneut antreibt. Ein sprunghafter Anstieg der Energiepreise würde die erhoffte Entspannung bei den Inflationserwartungen konterkarieren und die Zinsfantasie wieder anheizen. Parallel läuft die Berichtssaison auf Hochtouren, gerade in den USA mit einer dichten Folge von US-Tech-Werten wie zum Beispiel Apple und Palantir. Außerdem stehen zahlreiche DAX- und MDAX-Quartalszahlen an, die den Blick stärker auf die Gewinnentwicklung und Margen lenken. In den USA gilt der Arbeitsmarktbericht am Ende der Woche als potenzieller Taktgeber für die Fed-Perspektive: Ein robustes Jobwachstum stützt zwar das Wachstumsszenario, könnte aber über Lohnimpulse den Preisdruck verlängern. Insgesamt bleibt die Rally damit anfällig für Rückschläge, wenn Politik oder Daten das aktuell fragile Gleichgewicht stören.

Mit einem ersten Stimmungscheck startet die Woche am Montag, wenn die deutschen Einzelhandelsumsätze für September Aufschluss darüber geben, wie belastbar der Konsum vor dem Winter ist, flankiert von diversen Einkaufsmanagerindizes der Industrie aus den großen Euroländern. Am Mittwoch schärfen die vorläufigen Verbraucherpreise der Währungsunion für Oktober das Inflationsbild, begleitet von Dienstleistungs-Einkaufsmanagerindizes aus den Mitgliedsstaaten. Gerade der Mix aus schwacher Stimmung und hoher Teuerung bleibt für die Zinsdiskussion prägend. Deutlich datenreicher wird der Donnerstag: Dann liegen mit den deutschen Auftragseingängen im verarbeitenden Gewerbe, dem Umsatz im Dienstleistungsbereich und der Arbeitskostenerhebung gleich mehrere Puzzleteile zur Wettbewerbsfähigkeit der Industrie und zum Kostendruck vor, während Frankreichs Industrieproduktion und die Erzeugerpreise im Euroraum die Vorstufe der Inflation beleuchten. Den Abschluss bilden am Freitag die deutsche Industrieproduktion für September sowie der Einzelhandelsumsatz des Währungsraums, die zusammengenommen ein recht klares Bild vom realwirtschaftlichen Momentum im Herbst liefern.

Deutsche Einzelwerte

Auf der Unternehmensseite prägt am Dienstag ein Feuerwerk deutscher Quartalsberichte das Bild: Mit Lufthansa, Bayer, Zalando, Teamviewer, Evonik und Fresenius Medical Care melden gleich mehrere Blue Chips und größere MDAX-Werte, ergänzt durch Biontech, deren Zahlen nicht nur den Gesundheitssektor, sondern auch das Sentiment im Biotech-Segment beeinflussen können. Zur Wochenmitte folgen mit BMW und Continental zwei Schwergewichte aus der Auto- und Zulieferindustrie, begleitet von Fraport, Vonovia und Heidelberg Materials, sodass quer über Mobilität, Immobilien und Bau ein breites Konjunkturbarometer entsteht. Am Donnerstag kulminiert die heimische Berichtssaison: Commerzbank, Deutsche Telekom, DHL Group und Siemens Healthineers liefern Eckdaten zu Finanzsektor, Infrastruktur, Logistik und Medizintechnik, während HelloFresh, Rheinmetall, Lanxess oder Nemetschek Schlaglichter auf zyklische wie strukturelle Wachstumsfelder werfen. Zum Ausklang der Woche runden am Freitag Daimler Truck und Krones das Bild der industriellen Kernbranchen ab, flankiert von Qiagen mit einer außerordentlichen Hauptversammlung, die potenziell strategische Weichenstellungen im Diagnostikbereich andeuten kann. Europäisch ergänzen unter anderem Philips, Novo Nordisk, Ahold Delhaize, Swiss Re und ArcelorMittal das Stimmungsbild, bleiben für deutsche Anleger aber eher Begleitmusik.

USA:

Jenseits des Atlantiks spannt sich der Datenbogen eng um das Thema Wachstum und Arbeitsmarkt. Bereits am Montag liefern der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe und die Bauinvestitionen für September Hinweise, wie robust die US-Konjunktur in einem von hohen Zinsen geprägten Umfeld bleibt. Dienstag folgen als erster vorläufiger Höhepunkt die US-Kongresswahlen. Am Mittwoch rückt der Arbeitsmarkt mit dem ADP-Bericht in den Vordergrund, ergänzt durch die Handelsbilanz und den wöchentlichen Ölbericht der Energiebehörde, der angesichts der geopolitischen Spannungen und der Diskussion um den Ölpreis besondere Beachtung findet. Besonders dicht ist der Donnerstag, wenn die erste Schätzung des Bruttoinlandsprodukts für das dritte Quartal, die Produktivitätsdaten und der ISM-Index für den Dienstleistungssektor zusammenkommen und damit Wachstumstempo, Effizienz und Dienstleistungsdynamik ausleuchten. Den ökonomischen Höhepunkt markiert am Freitag der offizielle Arbeitsmarktbericht für Oktober, dessen Kombination aus Beschäftigungszuwachs, Arbeitslosenquote und Lohnentwicklung zusammen mit dem vorläufigen Verbrauchervertrauen der Universität Michigan entscheidend dafür ist, ob der Markt eher ein Soft-Landing-Szenario oder anhaltenden Inflationsdruck einpreist.

US-Einzelwerte

In der US-Berichtswoche stehen vor allem Technologiewerte und Konsumtitel im Mittelpunkt. Den Auftakt machen am Montag unter anderem Apple, Palantir, Fox und Marriott International, womit von Hardware über Datenanalyse bis hin zu Medien und Hotellerie ein breites Spektrum zyklischer und defensiver Geschäftsmodelle abgedeckt wird. Am Dienstag folgen mit Pfizer, Amgen und Moderna (ohne genaue Zeitangabe) Schwergewichte aus dem Pharmasektor, flankiert von DuPont de Nemours, American International Group und dem Buchungsriesen Booking Holdings, die Einblicke in Chemie, Versicherungsgeschäft und Reiselaune der Verbraucher geben. Zur Wochenmitte melden McDonald’s, Uber, Kraft Heinz, Qualcomm, Expedia und News Corp, was sowohl die Konsum- und Werbenachfrage als auch die Investitionsbereitschaft im Chipsektor und im Online-Reisegeschäft spiegelt. Am Donnerstag schließlich setzen ConocoPhillips, Airbnb, Lyft, Kimberly-Clark, Cigna und Mattel Akzente von Energie über Plattformökonomie bis zu klassischen Konsumgütern, wodurch Anleger ein feines Bild erhalten, wie unterschiedlich zinssensible und konjunkturabhängige Geschäftsmodelle durch das aktuelle Umfeld navigieren.

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